Showing posts with label 1705. Show all posts
Showing posts with label 1705. Show all posts

Thursday, December 4, 2025

Christian Stieff on Kristina refusing to marry and instead making Karl Gustav her heir and successor

Source:

Leben der Weltberühmten Königin Christina von Schweden nach denen geheimesten intrigven und merckwürdigsten umständen mit möglichstem fleiße entworffen, pages 30 to 34, by Christian Stieff, 1705; original at the University of Michigan


The 1,100th post of 2025 to this blog!

The account:

Massen den unter andern Churfürst George Wilhelm von Brandenburg vor seinen Chur-Printz / Friedrich Wilhelmen / um sie geworben. Es möchte auch diese heyrath vielleicht den fortgang erreichet haben / wofern König Gustavus Adolphus hätte leben sollen / als welcher auff diese alliantze bey seinem leben grosse reflexion gemacht hatte / um sich dadurch in Teutschland und wider Polen desto fester zu setzen. Allein / nach dessen tode bezeugte nicht allein die Königin schlechte lust darzu / sondern auch der Cantzler Oxenstirn / so sich hoffnung gemacht / daß sie vielleicht zu seinem sohn Graf Erich Oxenstirn mit der zeit incliniren möchte / verhinderte solche nach äuserstem vermögen. Nicht bessern success hat König Christian der IV gehabt / da er für seinen zweyten sohn Hertzog Friedrichen um sie anhielte; ingleichen Pfaltz-Graf Carl Gustav / wiewohl doch viele meynen / daß die Königin / diesen letztern zu ehlichen / noch wohl dürffte resolviret haben / wenn nicht Graf Magnus de la Gardie, so damahls bey der Königin in sonderlichen gnaden stunde / ihr allerhand widrige impressiones beygebracht / und sie dadurch von dieser meynung abgewendet hätte. Doch hat er nicht verhindern können / daß nicht die Königin den Pfaltzgrafen 1650 auff öffentlichem Reichs-tage zum erben und Successorn der Cron / daferne sie ohne leibes-erben mit tode abgehen solte / erklären lassen / dargegen aber er folgende assecuration ausgestellet:

"Wir Carl Gustav / der Schweden / Gothen und Vandeln erwehlter Erb-Printz / Pfaltzgraf am Rhein / Hertzog zu Bayern / etc. thun kund / daß / nachdem die Königin von Schweden Christina / und die Reichs-Räthe und Stände selbigen Königsreichs uns und unsern kindern männlichen geschlechts / die anwartung und erb-recht an besagtem Königreich Schweden durch einen öffentlichen schluß auffgetragen / wir hingegen vor nöthig befunden / uns folgender massen zu erklären: Erstlich sagen wir ihr / der Königin / so wohl vor diese als alle andre wohlthaten / so wir zeit unsers lebens von ihr genossen / gebührenden danck / erkennen auch selbige vor unsere Königin und gnädige Frau / welcher alle regierung / uns aber ihr zu gehorsamen / zustehe / und versprechen ihr demnach alle schuldige treue / gehorsam und respect jederzeit zu leisten. Und gleichwie sie / die Königin / uns zugesagt und verheißen / daß sie bey der regierung und dem / was davon dependiret / nichts / so unserm stande nicht gemäß / oder wider unsern willen / uns aufdringen wolle / also versprechen wir hinwiederum / daß wir / so lange sie am leben und an der regierung / nichts von allem / was des Reichs wohlstand betrifft / als krieg zu führen / frieden zu schliessen / bündniß zu machen / und dergleichen wichtige dinge / uns unterfangen wollen / es geschehe denn solches mit vorwissen und willen der Königin / vorgehendem rath der Reichs-Senatorn und von jener hierzu ertheilten vollmacht und gewalt. Dieweil auch die Königin samt denen Reichs-Räthen vor gut befunden / daß das Reich hinführo nicht zertheilet / sondern jederzeit unzertrennet beysammen bleiben solle / so wollen weder wir noch unsere Kinder ein Hertzogthum erblich vor uns fordern / sondern mit demjenigen / was die Königin zusamt denen Reichs-Ständen zu unserer und unserer zukünfftigen Gemahlin und kinder unterhalt aus der kammer uns verordnen werden / zu frieden seyn. Dafern aber mit der zeit wir oder unsere kinder einige land-güter rechtmäßiger weise an uns bringen solten / so sollen und wollen wir dieselbigen mit eben denen rechten und freyheiten / wie andere von Adel / besitzen / und dasjenige / was selbige von dergleichen der Cron zu geben und leisten pflegen / auch unseres orts unweigerlich abstatten. Jedoch behalten wir uns dabey die gerichtebarkeit über unsere hof-statt / wie solche die vormahligen Erb-Printzen über die ihrigen gebraucht / zuvor. Wofern auch nach der Königin tode uns etwan ein land ausser dem Reiche zufallen solte / wollen wir dasselbe nicht anders annehmen / als mit der bedingung / daß wir aus dem Königreich Schweden / und derenthalber uns mit wesentlicher wohnung zu wenden nicht schuldig seyn sollen. Wenn wir etwan dermaleinst uns zu verehlichen entschliessen möchten / so wollen wir zuförderst die Königin und Reichs-Räthe darüber vernehmen / und keine heyrath schliessen / so jener oder dem Reiche schädlich seyn und einiges nachtheil zuziehen könne. Wir wollen auch keine andere person zu unserer Gemahlin annehmen / als die der unveränderten Augspurgischen Confeßion zugethan / in welcher wir auch unsere kinder erziehen zu lassen versprechen. Wenn wir nach GOttes willen zur regierung gelangen solten / so wollen wir selbige mit zuziehung der Reichs-Räthe nach denen rechten des Königreichs und Reichs-constitutionibus gemäß führen. Alle des Reichs Stände und unterthanen wollen wir bey dem reinen und klaren worte GOttes / wie solches in der Propheten und Aposteln schrifften enthalten und in der unveränderten Augspurgischen Confession und Concilio zu Upsal weitläufftiger erkläret worden / handhaben und schützen: auch alle Stände und unterthanen bey ihren habenden rechten / gerechtigkeiten und freyheiten ungekränckt lassen / und möglichst verhüten / daß keinem / wes standes und würden er auch sey / an leib und leben / ehr und gut einiger schaden zugefüget werde. Wir wollen der verwittibten Königin / Frauen Marien Eleonoren / jederzeit mit liebe und ehrerbietung begegnen / und sie bey demjenigen / was ihr von der regierenden Königin zu ihrer und ihrer hofstaat unterhalt geordnet worden / geruhig lassen. Endlich so wollen wir alle dasjenige / was in Königs Gustavi letztem willen und der erb-vereinigung von denen Erb-Printzen dem Reich zum besten verordnet wird / wie auch / was die vorigen Könige in Schweden inhalts ihres geleisteten eydes und ausgestellter reversalien zu leisten schuldig gewesen / ausser demjenigen / was auf gegenwärtigem Reichs-tage geändert worden / ebenfalls steiff und unverbrüchlich halten. Es sollen auch letzlich nicht weniger unsere männlichen erben und successoren allem / was wir hierinnen zugesagt / nachzuleben verbunden seyn."

With modernised spelling:

Maßen den unter andern Kurfürst, Georg Wilhelm von Brandenburg, vor seinen Kurprinz, Friedrich Wilhelmen, um sie geworben. Es möchte auch diese Heirat vielleicht den Fortgang erreicht haben, wofern König Gustavus Adolphus hätte leben sollen, als welcher auf diese Allianze bei seinem Leben große Reflexion gemacht hatte, um sich dadurch in Deutschland und wider Polen desto fester zu setzen. Allein, nach dessen Tode bezeugte nicht allein die Königin schlechte Lust dazu, sondern auch der Kanzler Oxenstiern, so sich Hoffnung gemacht, dass sie vielleicht zu seinem Sohn Graf Erich Oxenstiern mit der Zeit inklinieren möchte, verhinderte solche nach äußerstem Vermögen.

Nicht bessern Sukzess hat König Christian der IV gehabt, da er für seinen zweiten Sohn, Herzog Friedrichen, um sie anhielte; ingleichen Pfalzgraf Karl Gustav, wiewohl doch viele meinen, dass die Königin diesen Letztern zu ehelichen, noch wohl dürfte resolviert haben, wenn nicht Graf Magnus de la Gardie, so damals bei der Königin in sonderlichen Gnaden stunde, ihr allerhand widrige impressiones beigebracht, und sie dadurch von dieser Meinung abgewendet hätte.

Doch hat er nicht verhindern können, dass nicht die Königin den Pfalzgrafen 1650 auf öffentlichem Reichstage zum Erben und Sukzessorn der Kron, dafern sie ohne Leibeserben mit Tode abgehen sollte, erklären lassen, dagegen aber er folgende Assekuration ausgestellt:

"Wir Karl Gustav, der Schweden, Gothen und Vandeln erwählter Erbprinz, Pfalzgraf am Rhein, Herzog zu Bayern, etc., tun kund, dass, nachdem die Königin von Schweden, Christina, und die Reichsräte und Stände selbigen Königsreichs Uns und Unsern Kindern männlichen Geschlechts, die Anwartung und Erbrecht an besagtem Königreich Schweden durch einen öffentlichen Schluß aufgetragen, Wir hingegen vor nötig befunden, Uns folgendermaßen zu erklären:

Erstlich sagen Wir ihr, der Königin, so wohl vor diese als alle andere Wohltaten, so Wir Zeit Unsers Lebens von ihr genossen, gebührenden Dank, erkennen auch selbige vor Unsere Königin und gnädige Frau, welcher alle Regierung, Uns aber ihr zu gehorsamen, zustehe, und versprechen ihr demnach alle schuldige Treue, Gehorsam und Respekt jederzeit zu leisten.

Und gleichwie sie, die Königin, Uns zugesagt und verheißen, dass sie bei der Regierung und dem, was davon dependiert, nichts, so Unserm Stande nicht gemäß, oder wider Unsern Willen, Uns aufdringen wolle, also versprechen Wir hinwiederum, dass Wir, so lange sie am Leben und an der Regierung, nichts von allem was des Reichs Wohlstand betrifft, als Krieg zu führen, Frieden zu schließen, Bündnis zu machen, und dergleichen wichtige Dinge uns unterfangen wollen, es geschehe denn solches mit Vorwissen und Willen der Königin, vorgehendem Rat der Reichssenatoren und von jener hiezu erteilten Vollmacht und Gewalt.

Dieweil auch die Königin samt denen Reichsräten vor gut befunden, dass das Reich hinfüro nicht zerteilt, sondern jederzeit unzertrennt beisammen bleiben solle, so wollen weder Wir noch Unsere Kinder ein Herzogtum erblich vor Uns fordern, sondern mit demjenigen, was die Königin zusamt denen Reichsständen zu Unserer und Unserer zukünftigen Gemahlin und Kinder unterhalt aus der Kammer Uns verordnen werden, zufrieden sein.

Dafern aber mit der Zeit Wir oder Unsere Kinder einige Landgüter rechtmäßigerweise an Uns bringen sollten, so sollen und wollen Wir dieselbigen mit eben denen Rechten und Freiheiten, wie andere von Adel, besitzen, und dasjenige was selbige von dergleichen der Kron zu geben und leisten pflegen, auch Unseres Orts unweigerlich abstatten. Jedoch behalten wir Uns dabei die Gerichtbarkeit über Unsere Hofstaat, wie solche die vormaligen Erbprinzen über die ihrigen gebraucht, zuvor.

Wofern auch nach der Königin Tode Uns etwan ein Land außerdem Reiche zufallen sollte, wollen Wir dasselbe nicht anders annehmen, als mit der Bedingung, dass Wir aus dem Königreich Schweden, und derenthalber Uns mit wesentlicher Wohnung zu wenden nicht schuldig sein sollen. Wenn Wir etwan dermaleinst Uns zu verehelichen entschließen möchten, so wollen Wir zuförderst die Königin und Reichsräte darüber vernehmen, und keine Heirat schließen, so jener oder dem Reiche schädlich sein und einiges Nachteil zuziehen könne.

Wir wollen auch keine andere Person zu Unserer Gemahlin annehmen, als die der unveränderten augsburgischen Konfession zugetan, in welcher Wir auch Unsere Kinder erziehen zu lassen versprechen. Wenn Wir nach Gottes Willen zur Regierung gelangen sollten, so wollen Wir selbige mit Zuziehung der Reichsräte nach denen Rechten des Königreichs und Reichsconstitutionibus gemäß führen.

Alle des Reichs Stände und Untertanen wollen Wir bei dem reinen und klaren Worte Gottes, wie solches in der Propheten und Aposteln Schriften enthalten und in der unveränderten augsburgischen Konfession und concilio zu Uppsal weitläuftiger erklärt worden, handhaben und schützen; auch alle Stände und Untertanen bei ihren habenden Rechten, Gerechtigkeiten und Freiheiten ungekränkt lassen, und möglichst verhüten, dass keinem, wes Standes und Würden er auch sei, an Leib und Leben, Ehr und Gut einiger Schaden zugefügt werde.

Wir wollen der verwittibten Königin, Frauen Marien Eleonoren, jederzeit mit Liebe und Ehrerbietung begegnen, und sie bei demjenigen, was ihr von der regierenden Königin zu ihrer und ihrer Hofstaat Unterhalt geordnet worden, geruhig lassen.

Endlich so wollen Wir alle dasjenige, was in Königs Gustavi letztem Willen und der Erbvereinigung von denen Erbprinzen dem Reich zum besten verordnet wird, wie auch, was die vorigen Könige in Schweden Inhalts ihres geleisteten Eides und ausgestellter Reversalien zu leisten schuldig gewesen, außerdemjenigen, was auf gegenwärtigem Reichstage geändert worden, ebenfalls steif und unverbrüchlich halten. Es sollen auch letztlich nicht weniger Unsere männlichen Erben und Sukzessoren allem, was Wir hierinnen zugesagt, nachzuleben verbunden sein."

English translation (my own):

Among others, Elector Georg Wilhelm of Brandenburg courted her, before his Electoral Prince Friedrich Wilhelm. This marriage might also have come to fruition had King Gustav Adolf lived, as he had devoted considerable thought to such alliances during his lifetime, hoping to consolidate his power in Germany and against Poland. However, after his death, not only did the Queen show little interest, but Chancellor Oxenstierna, who had hoped that she might eventually align herself with his son, Count Erik Oxenstierna, prevented it to the best of his ability.

King Christian IV had no better success when he sought her hand in marriage for his second son, Duke Frederik; likewise, Count Palatine Karl Gustav, although many believe that the Queen might well have resolved to marry the latter had not Count Magnus de la Gardie, who then stood in the Queen's particular favour, conveyed all sorts of adverse impressions to her and thereby turned her away from this opinion.

However, he could not prevent the Queen from having the Count Palatine declared heir and successor to the Crown in 1650 at a public Riksdag, should she die without a male heir of her body, but he issued the following assurance in return:

"We Karl Gustav, elected Hereditary Prince of the Swedes, Goths and Vandals, Count Palatine of the Rhine, Duke of Bavaria, etc., declare that, after the Queen of Sweden, Kristina, and the Council and Estates of the same Realm, by a public decree, have granted to Us and Our male children the expectancy and right of inheritance to the said Kingdom of Sweden, We, however, have found it necessary to declare Ourself as follows:

Firstly, We express Our sincere gratitude to her, the Queen, for this as well as all other benefits We have enjoyed from her throughout Our life; we also acknowledge her as Our Queen and gracious Lady, to whom all government belongs, and We are obliged to obey her; and We therefore promise to render her all due fealty, obedience and respect at all times.

And whereas she, the Queen, has promised and assured Us that she will impose nothing upon Us in the government and in all that depends upon it that is not in accordance with Our station or against Our will, so We promise in return that, as long as she is alive and in government, We will undertake nothing concerning the prosperity of the Realm except to wage war, to make peace, to form alliances, and to undertake such important things, unless it is done with the prior knowledge and consent of the Queen, the preceding Council of the senators of the Realm, and by the authority and power granted to her for this purpose.

Since the Queen and the Council have also found it good that the Realm should henceforth not be divided, but should remain together inseparably at all times, neither We nor Our children wish to demand a hereditary duchy, but rather be content with what the Queen and the Estates of the Realm will ordain from the Chamber for Our support and that of Our future consort and children.

Should We or Our children, in time, rightfully acquire some estates, We shall and will possess them with the same rights and freedoms as other nobles, and will inevitably pay to Our lands what they are accustomed to give and do to the Crown. However, We reserve for Ourself the jurisdiction over Our court state, just as the former hereditary princes exercised over theirs.

Should any land fall to Us after the Queen's death, We will accept it only on the condition that We leave the Kingdom of Sweden and are not obliged to establish a substantial residence there. If We should ever decide to marry, We will first consult the Queen and the Council, and will not enter into any marriage that could be harmful to either party or to the Kingdom and cause any disadvantage.

We will not take any other person as Our consort than one who adheres to the unaltered Augsburg Confession, in which We also promise to raise Our children. Should we, in accordance with God's will, come to power, We shall govern it with the participation of the Council, in accordance with the laws of the Kingdom and the constitutions of the Realm.

We will uphold and protect all the Estates and subjects of the Realm according to the pure and clear word of God, as it is contained in the writings of the Prophets and Apostles and further explained in the unaltered Augsburg Confession and the Council of Uppsala; We will also leave all Estates and subjects uninfringed in their existing rights and freedoms, and prevent as far as possible any harm being done to anyone, whatever their rank or dignity, in body, life, honour or property.

We wish to treat the widowed Queen, Lady Maria Eleonora, with love and respect at all times, and to leave her in peace with what the reigning Queen has arranged for her and her court state's maintenance.

Finally, We wish to uphold firmly and inviolably everything which is ordained for the good of the Realm in King Gustav's last will and testament and the Union of Inheritance for the hereditary princes, as well as what the previous kings of Sweden were obliged to do according to their oaths and issued reversions, and also that which has been amended at the present Riksdag. Ultimately, no less shall Our heirs and successors male be bound to uphold all that We hereinafter pledge."


Above: Kristina.


Above: Karl Gustav.


Above: Christian Stieff.

Tuesday, November 18, 2025

Christian Stieff on the early part of Kristina's reign after coming of age, Kristina's collecting of art and association with foreign scholars, Pierre Bourdelot's influence over her, her alleged religious beliefs, and her jealousy of her authority

Source:

Leben der Weltberühmten Königin Christina von Schweden nach denen geheimesten intrigven und merckwürdigsten umständen mit möglichstem fleiße entworffen, pages 15 to 30, by Christian Stieff, 1705; original at the University of Michigan


The account:

Den anfang ihrer regierung hat sie so fort durch den mit der Cron Dännemarck getroffenen und vor die Cron Schweden so vortheilhafften Bremsebeschen frieden berühmt gemacht / welcher den 13 Aug. des 1645 jahres durch vermittelung der Cron Franckreich geschlossen / und darinnen denen Schweden Jempterland und Herrendal / samt denen insuln Gotland und Oesel auff ewig / die Provintz Halland aber auff 30 jahr abgetreten worden. Hierauff folgte etliche jahr hernach der friede mit Teutschland / welcher zu Osnabrüg geschlossen ward / darinnen Schweden die stiffter Bremen und Verden / das Fürstenthum Rügen / Hertzogthum Vor-Pommern / und aus Hinter-Pommern Stetin / Damm / Golnau / der gantze Oder-strom samt dem ufer auff beyden seiten und anwartung auff das übrige Pommern nach abgang des Chur- und Fürstl. Brandenburgischen Hauses / ingleichen die herrschafft Wißmar samt denen ämtern Poel und Neu-kloster / und der schantze / der Wallfisch genannt / zur satisfaction als Reichslehn überlassen / auch zu bezahlung ihrer militz noch über dieses 5 millionen Reichsthaler entrichtet worden. Jnzwischen unterließ sie bey denen vielen regiments-sorgen nicht / sich mit denen studiis und allerhand anmuthigen wissenschafften zu ergötzen / zu welchem ende sie denn die curiösesten bücher und scripta mit grossem fleiß und kosten zusammen suchte / gestalt sie denn unter andern Hrn. Ludolph auff ihre unkosten nach Rom schickte / damit er versuchen solte / ob er von den alten briefschafften / die Johannes Magnus Ertz-Bischoff zu Upsal im vorigen seculo / als er der religion halber sich aus Schweden weg begeben / mit sich dahin genommen haben solte / etwas antreffen könte; sondern auch aus denen in Teutschland eroberten orten die raresten codices nach Schweden bringen ließ. Uber das legte sie sich eine grosse quantität der schönsten müntzen zu / wozu des berühmten Luckii cabinet, welches sie an sich kauffte / und die herrlichen medaillen / so bey eroberung Prag aus dem Kayserlichen cabinet daselbst erbeutet worden / ein grosses beytrugen / wiewohl man doch davor hält / daß Mons. du Fresne Trichet, welchen sie darüber gesetzet / ihr nicht allzutreulich hierunter vorgestanden / sondern viele der curiösesten / nebst vielen vortrefflichen gemählden von den berühmtesten künstlern / unter dem vorwand / als ob sie von schlechter importantz / der Königin abgeschwatzt / und mit sich nach Franckreich geschleppet. Jm übrigen ließ sie auch eine grosse anzahl der vortrefflichsten leute / unter andern den welt-berühmten Salmasium, Isaacum Vossium, (welchen sie zwar anfangs / weil er wider Salmasium geschrieben / nicht vor sich lassen wollen) Nicolaum Heinsium, Sam. Bochartum, Gabrielem Naudæum, Joh. Freinshemium, Joh. Henr. Bœclerum, Renatum Des Cartes und andere nach Schweden ruffen. Der berühmte Menagius und Guido Patinus wurden auch verschrieben / allein sie haben sich entschuldiget / wiewohl der erste anfänglich in seiner Ecloga, deren er den titul Christina geben / von Franckreich abschied zu nehmen und sich schon zu der reise zu schicken schiene. An des andern stelle wurde hernachmahls von Salmasio Bourdelot vorgeschlagen / welcher sich nicht lange bedachte / nach Schweden zu gehen. Dieser mensch / von welchem hernachmahls so viel wird zu sagen seyn / war eines barbierers von Sens sohn / und hieße eigentlich Michon / hat auch in seiner jugend sich auf die apothecker-kunst geleget / hernachmahls eine reise in Jtalien gethan / und folgends sich als einen Medicum aufgeführet / wobey er denn vorgeben dürffen / daß er bey Pabst Urbano VIII diese function verwaltet / ja gar zum Cardinal gemacht werden sollen / wofern er länger bleiben wollen / und nicht über hals und über kopff wieder nach Franckreich gangen wäre / welches aber die wenigsten glauben wollen. Den nahmen Bourdelot hat er von einem seiner vettern / welcher ihm unter andern eine ziemlich feine bibliothec / so auf 3000 rthl. geschätzet war / vermacht / angenommen. Er wolte für ungemein gelehrt / und sonderlich vor einen trefflichen Poeten angesehen seyn / allein die wenigsten seiner landes-leute haben ihm diese qualitäten zugestehen wollen; vielmehr siehet man / daß Mons. Chevreau ihn seiner poesie halber mit Pelletier Neuf Germain und andern pritschmeistern in eine classe setzt / ja es haben etliche versichern wollen / daß er nicht drey zeilen Latein ohne schnitzer schreiben können / welches ich an seinen ort gestellt seyn lasse. Ob er auch von der religion so gar wenig staat gemacht / wie ihm einige schuld geben / will ich hier nicht untersuchen / sondern nur dieses noch erinnern / daß dieser mensch durch seine schmeicheley sich so tieff bey der Königin insinuiret / daß nicht allein der berühmte Naudæus, sondern auch Mons. Courtin, so Secretarius, bey der Königin war / und vor Bourdelots ankunfft in grossen gnaden stund / in ungnaden verfielen / und sich wieder zurück begaben / ja daß auch die vornehmsten des Königreichs ihm flattiren musten / wovon in zukunfft mit mehrern wird zu sagen seyn. Damit sie nun mit diesen gelehrten leuten sich besprechen könte / stellte sie alle donnerstage eine öffentliche conferentz an / so sie deßhalber Jovialem zu nennen pflegte / in welcher allerhand curiöse materien überleget wurden.

Bey diesen umständen nun / und da die Königin so eine grosse affection zu gelehrten leuten bezeugte / hatte man wohl ursach / sich zu verwundern / daß sie gegen den unvergleichlichen Hugonem Grotium, so sich bißher als Königlicher Schwedischer Gesandter in Franckreich aufgehalten / gantz anders erwiesen; inmaßen sie ihn nicht allein einige zeit nach antretung ihrer regierung von der bißherigen Ambassade zurück beruffen / sondern auch hernachmahls bey der abschieds-audientz / so sie ihm vor seiner abreise aus Schweden ertheilet / allerhand verdrießliche worte lauffen lassen / welche aber dieser vortreffliche mann nicht weiter beantwortet / als daß er einen tiefen reverentz gemacht und gesagt: "Madame / ich verbleibe eurer Majestät unterthänigster diener" / und damit seinen abtritt genommen; welche kaltsinnigkeit die Königin dermassen verdrossen / daß sie auch gegen die umstehenden sich vernehmen lassen / es wäre gleichwohl eine grosse unhöffligkeit / daß er nicht einmahl von ihr abschied genommen; allein ein bekandter Frantzose / nahmens Marigny / der eben dabey zugegen / und allem ansehen nach Grotio wohl affectioniret war / entschuldigte ihn / und beredete die Königin / daß es in Franckreich die mode wäre / mit solchen worten abschied zu nehmen / so sie denn endlich geglaubet / und Grotio noch ein präsent an kupfer von mehr als 13000 thlr. nachgeschickt. Doch hat auch im übrigen die grosse affection, so sie gegen die andern jetzterwehnte personen bezeugt nicht alzu lange gewähret / sondern sie ist ihrer / weil sie ihr nicht galant genug zu seyn dauchten / bald überdrüßig worden / dahero auch die meisten / als Salmasius, Vossius, Bochartus, Freinshemius, Bœclerus und andere / einer nach dem andern / ziemlich unvergnügt weggewandert. Wiewohl etlichen ein jährlich gnaden-geld bey ihrer abreise war versprochen / aber nachmahls nicht allzurichtig bezahlet worden. Der eintzige Bourdelot hat sich noch einige zeit bey ihr in vorigen gnaden erhalten / ungeachtet die Königliche frau mutter / Pfaltzgraf Carl Gustav / so zu ihren künfftigen Successore declariret war / Graf Magnus de la Gardie, und die meisten Reichs-Räthe samt der gantzen Clerisey ihme spinne-feind waren / theils weil sie ihn in verdacht hielten / als ob er die Königin zu allerhand übeln gedancken von der religion und Gottes wort verleitete / theils und sonderlich Graf Magnus, weil Bourdelot von ihm gegen die Königin schimpfflich geredet haben soll; allein die Königin war von diesem menschen einmahl so eingenommen / daß sie / was wider Bourdelot vorgebracht ward / eine lange zeit durchaus nicht annehmen wolte / ja so gar den Graf Magnus de la Gardie deßhalber disgratiirte / und ihre leibliche frau mutter seinet halber übel anließ. Denn als diese auff einrathen etlicher Reichs-Räthe sich wagte / vor ihrer abreise nach Nieköping ihr einzureden und vorzustellen / wie die geistlichkeit und das gesamte volck sich über Bourdelot beschwerten / und sorge trügen / daß er ihr solche maximen beybringen würde / welche mit ihrer vorfahren religion nicht wohl beysammen stehen könten / wiewohl sie (die frau mutter) nicht hoffen wolte / daß / nachdem der Königin leiblicher vater / der grosse Gustavus Adolphus, mit solchem ruhm selbige bekennet und vertheidiget / auch sein leben davor aufgeopffert / sie die Königin anjetzo sich etwas / so damit nicht übereinstimmete / würde bereden lassen; hatte sie ihr eine weile zwar gedultig zugehöret / allein / wie die predigt zu lange dauren wollen / war sie ihr in die rede gefallen / und hatte geantwortet: Sie erkennte sich zwar der frau mutter wegen ihrer wolgemeynten warnung verbunden / allein es wäre diese materie vor si[e] beyde zu hoch / und demnach besser / daß man sie denen priestern überließe; auch / als jene wieder anfangen wollen / mit einer zornigen mine gesagt: Sie wüste diejenigen wohl / die sie bewegt / dergleichen reden zu führen / und wolte selbige lehren / wer sie die Königin wäre / daß sie gewiß ihre unbedachtsamkeit bereuen solten; worauff sie davon [ge]gangen / auch / als man ihr zwey stunden darauff zu verstehen geben / daß ihre frau mutter so sehr weinete / und niemand vor sich lassen wolte / gantz kaltsinnig zur antwort geben: "Sie ist schuld daran / warum hat sie sich diese verdrießlichkeit zugezogen?" Doch / etliche stunden hernach / als man ihr gesagt / daß ihre frau mutter sich gar nicht zu frieden geben wolte / hat sie selbige wieder besucht / und sehr freundlich begegnet / ohne dessen / was vorgangen / im geringsten zu erwehnen / wodurch diese sich denn auch zwar wieder etwas stillen lassen / gleichwohl ihre reise nach Nieköping fortgesetzet. Weil nun die Königin sich des Bourdelot mit solchem eyfer annahm / so konten seine widerwärtigen eine geraume zeit nichts richten / ja sie musten vielmehr den haß / so sie gegen ihn hegeten / verdrucken / und ihn auf alle weise / der Königin zu gefallen / careßiren; gestalt man denn unter andern observiret / daß fast alle Grandes ihm bey antritt des 1653ten jahres neujahrs-geschencke so reichlich geschickt / daß sich selbige zusammen über 20000 thlr. belauffen haben. Ja / als er bald nach dem wort-wechsel / den die Königin mit ihrer frau mutter seinet wegen gehabt / in eine kranckheit gefallen / haben ihn alle die vornehmsten am hofe / ja die Königin selbst besucht. Endlich / weil er so gar verhaßt bey jederman war / muste sich die Königin entschließen / daß sie / um grösser unglück zu vermeiden / ihm seine dimission gab / worauff er sich denn wieder nach Franckreich gewendet; nachdem ihm die Königin über eine Abtey von 2000 thlr. jährlichen einkommens / so sie ihm in Franckreich kurtz zuvor zu wege bracht / auch bey seiner abreise nebst einem recommendation-schreiben an die Königin in Franckreich 10000 thlr. baar geld / und 20000 thlr. an wechsel-briefen auff den weg gegeben / und ihn in einer von ihren carossen biß auff die gräntzen von Dännemarck bringen lassen. So hatten auch Pfaltzgraf Carl Gustav selbst und sein bruder Johann Adolph [sic] / ungeachtet sie ihm spinnen-feind waren / der Königin zu liebe ihm ihre bildniße / davon das erste auff 2000 / das andere auff 1000 thlr. geschätzt wurden / verehret; wiewohl dieses Pfaltz-Graf Carl Gustaven so schwer eingangen / daß er einen gantzen tag zugebracht / ehe er sich darzu resolviren können / biß ihn endlich einer von seinen vertrautesten erinnert / daß er die Königin / der er / solches zu thun / einmahl versprochen / heftig erzürnen würde / wofern er es nunmehr retractiren wolte / daß er also sich darinnen endlich überwunden. Wie über dem ein jedweder am hofe auf ihn reguard machen müssen / ist aus folgender begebenheit / welche wenigen bekandt / zur gnüge zu erkennen. Es hatte Mons. Bourdelot angestellet / daß der alte Marcus Meibomius, der sich einbildete / daß er die Musicam veterum, davon er ein gelehrtes werck geschrieben / sonderlich verstünde / und damahls bey der Königin Bibliothecarius war / eine concerte aus der alten music in gegenwart der Königin absingen / und Naudæus darnach tantzen solte. Weil aber Meibomius eine schlechte stimme hatte / und daher ein groß gelächter entstand / wurde er darüber so tolle / daß er dernach mit dem Bourdelot / den er schuld daran zu seyn vermeynte / auff der bibliothec anbund / ihn einen ignoranten schalt / und gar an den hals schlug. Allein / wie es Bourdelot der Königin klagte / sagte sie / warum er ihn nicht durch die pagen hätte lassen zum fenster hinaus schmeissen / und muste Meibomius sein bibliothecariat und Schweden quittiren. Allein / nachdem Bourdelot kaum den rücken gewendet / so war auch die grosse gnade aus / und redete die Königin auf das schimpflichste von ihm / so gar / daß / als sie ein paqvet aus Franckreich bekam / und einen brief von ihm darinnen gefunden / sie selbigen nicht einmahl geöffnet / sondern vor die nase gehalten / und gesagt: "Pfuy / wie stinckt das nach artzeney!" auch darauff das schreiben weggeworffen. Ja / als sie bald hernach Mons. du Fresne einiger sachen halber / davon sie vormahls mit Bourdelot geredet / und ihm die direction versprochen hatte / nach Franckreich gesendet / hat sie ihm ausdrücklich verboten / daß er nichts mit Bourdelot daraus communiciren solte / weil sie mir diesem menschen durchaus nichts weiter zu schaffen haben möchte. Allein / die principia, so er der Königin von der religion und andern dingen einmahl beygebracht / seynd mehr als zu wohl beklieben / und haben sich immer mehr und mehr zu jedermans bestürtzung geäusert. Man hat unter andern von ihr vorgegeben / daß sie davor gehalten: man müste Gott lieben / als den ursprung und die quelle alles guten / man müste denselben aber nicht fürchten / weil es sich nicht wohl reimte / vor einem solchen wesen sich zu fürchten / welches seiner eigenschafft nach gut sey und nichts böses thun könne. Vor denen bösen menschen aber müste man sich fürchten / welche des nechsten ehre / leben und güter auff tausenderley art beschädigen könten / und dieses wären die rechten teufel / welche das gemeine volck so steiff und fest glaubete. Ein verständiger mensch solte sich niemahls etwas reuen lassen / auch nicht verzeihen / weil beydes eine unbeständigkeit in sich begreiffe. Man solte zwar zuvor wohl überlegen / was man thun wolte / aber den einmal gefaßten schluß nimmermehr ändern. Die sonderbaren meynungen wären die allerbesten / weil die algemeinen meistentheils verderbet / und mit allerhand aberglauben und irthümern beflecket wären. Was man religion nenne / sey ein bloßer betrug / weil doch die menschen einmahl betrogen seyn wolten. Es wäre ja unmöglich / daß ein glaube / welcher die augen verblende / und ihnen das nachdencken und raisoniren verbiete / wahr seyn solte / und warum solte man doch das jenige / was man mit der vernunfft nicht begreiffen könte / glauben / ja noch darzu sich verbündlich machen / es zu glauben. Das wäre ja recht / als weñ man dem menschen zumuthen wolte / daß er sich selber die augen ausstechen solle / um desto besser zu sehen. So viel verschiedene secten / so in die vier theile der welt ausgebreitet worden / wären nur träume und einbildungen etlicher leute / die solche theils aus einfalt / theils als schalckheit / um sich dadurch einen grossen nahmen zu machen / auffgeworffen hätten. Platonis meynung von der allgemeinē seele der welt / deren die menschliche ein stück wäre / sey so wahrscheinlich / daß sie sich verwundete / warum nicht alle gelehrte selbige angenommen; sie ihres orts glaube keine andere unsterbligkeit der seelen / als diejenige / welche sich in diesem allgemeinen geiste befinde / in welchem die andern nach ihrem tode wieder zurücke kehrten. Moyses sey so ein grosser betrüger als verständiger mann gewesen / und getraue sie sich zu behaupten / daß das bey dem durchgang der Jsraeliten durch das rothe meer angegebene wunderwerck ein falsches vorgeben und alles von ihm durch die ebbe und fluth / von welcher eigenschafft des meeres er gute nachricht gehabt / verbracht worden. Nun lasse ich zwar dahin gestellet seyn / ob dieses alles sich eben in der warheit also verhalten. Allein daß sie doch sonst allerdings seltzame meynungen von der religion gehabt / ist mehr als zu gewiß / und kan man solches unter andern aus dem discurs / den sie kurtz vor aufgebung der regierung gegen ihre frau mutter geführet / abnehmen. Denn als zu Nieköping über der tafel erzehlet ward / daß des General Fletvvoods gemahlin / so der Augspurgischen Confession zugethan gewesen / und ihre mit ihm erzeugte töchter auch in solchem glauben bißher aufziehen lassen / gestorben / und der General durchaus haben wolte / daß seine töchter in der Reformirten religion hinführo erzogen werden solten / hatte sie die Königin anfangs gesagt: "Es wäre schade um die armen kinder / daß sie so um ihre seligkeit gebracht würden." Als nun die verwittibte Königin darauff antwortete: Sie hielte davor / daß man auch bey der Reformirten religion wohl selig werden könte / wenn man sonst from̃ und gottselig lebte / replicirte jene: Sie / die frau mutter / wäre keine gute Lutheranerin wofern sie dieses glaubte; doch wunderte sie sich darüber nicht / denn weil ihr Hr. vater der Reformirten religion zugethan gewesen / so könte man sich leicht einbilden / daß sie noch im̃er innerlich zu derselben inclinirte. Dieser vorwurff verdroß die verwittibte Königin so sehr / daß sie auch mit ziemlicher hefftigkeit antwortete: Sie wäre allerdings eine gute Lutheranerin / und wolte nichts mehr wünschen / als daß sie / die Königin / es so wohl als sie wäre / oder doch zum wenigsten / daß sie nicht schlimmere meynung von der religion hätte / als etwa die Reformirten; so aber hätte man eine geraume zeit her verspüren müssen / daß sie solche reden geführet / die mit der Lutherischen religion / nicht wohl überein kämen / und gläubte sie nicht / daß / wenn ihr Hr. vater König Gustaphus Adolphus noch leben solte / sie dergleichen hätte führen dürffen. Die Königin versetzte darauff: "Es ist mir leid / daß er gestorben; doch bin ich versichert / daß wenn er lebte / ich ihm das jenige / was ich gesagt / zur gnüge wolte erwiesen haben." Und was wolte die Frau mutter wol davon halten / wenn ich sagte / wie viele versichern / daß alle menschen werden selig werden / die beyden so wohl als die Christen." Uber welchen discurs die verwittibte Königin sich so betrübet / daß sie fast die gantze nacht mit weinen zugebracht. Sonst hat sie / nachdem sie einmahl die regierung übernommen / sich überaus jaloux ihrer autorität halber bezeuget / dahero sie auch durchaus haben wollen / daß fremde Ministri dasjenige / was sie anzubringen hätten / ihr selbst unmittelbar vortragen solten; gestalt sie denn auch sonst der uneinigkeit und æmulation unter denen Grandibus sich zu befestigung ihrer autorität artig zu gebrauchen gewust / auch durchaus nicht verstatten wollen / daß ihre leute andern Potentaten auf einigerley weise verpflichtet seyn solten. Dahero sie denn unter andern nicht zugeben wollen / daß Pfaltzgraf Carl Gustav den Orden des hosenbandes / welchen ihm der König von Engelland zugedacht / annehmen / oder Graf Magnus de la Gardie sich zum Reichs-Fürsten machen lassen solte. Jn welchem stücke sie der Königin Elisabeth von Engelland nachahmete / von welcher man erzehlet / daß / als König He[i]nrich der IV von Franckreich zwey Englischen von Adel / Niclas Clifford und Anton Sherley, wegen der guten diensten / so sie ihm bey denen damahligen innerlichen kriegen geleistet / in den Ritter-Orden von S. Michael aufgenommen / sie selbige nach ihrer zurückkunfft in hafft nehmen lassen / und gezwungen / daß sie die Ordens-kette wieder zurücke schicken / und ihre nahmen aus dem Ordens-register wieder auslöschen lassen müssen / mit vorgeben / daß / wie eine rechtschaffene weibes-person ihre augen auf niemand anders / als ihren ehemann richten / also auch ein unterthan auf niemand als seinen rechtmäßigen Ober-Herrn sehen solte / und könte sie durchaus nicht leiden / daß ihre schafe von einer fremden hand gezeichnet würden / oder eines andern hirten pfeiffe folgen solten. Es ist auch vermuthlich diese jalousie über ihrer autorität ursach gewesen an der festen resolution, die sie gefasset / sich niemahls zu verheyrathen / ungeachtet es ihr / wie leicht zu glauben / an gelegenheiten nicht gefehlet.

With modernised spelling:

Den Anfang ihrer Regierung hat sie sofort durch den mit der Cron Dänemark getroffenen und vor die Kron Schweden so vorteilhaften brömsebroschen Frieden berühmt gemacht, welcher den 13. August des 1645 Jahres durch Vermittlung der Kron Frankreich geschlossen, und darinnen denen Schweden Jemterland und Herrendal, samt denen Inseln Gotland und Ösel auf ewig, die Provinz Halland aber auf 30 Jahr abgetreten worden.

Hierauf folgte etliche Jahr hernach der Friede mit Deutschland, welcher zu Osnabrück geschlossen ward, darinnen Schweden die Stifter Bremen und Verden, das Fürstentum Rügen, Herzogtum Vorpommern, und aus Hinterpommern Stettin, Damm, Gollnow, der ganze Oderstrom samt dem Ufer auf beiden Seiten und Anwartung auf das übrige Pommern nach Abgang des kur- und fürstlichen brandenburgischen Hauses, ingleichen die Herrschaft Wismar samt denen Ämtern Poel und Neukloster, und der Schanze der Walfisch genannt, zur Satisfaktion als Reichslehn überlassen, auch zu Bezahlung ihrer Miliz noch über dieses 5 millionen Reichstaler entrichtet worden.

Inzwischen unterließ sie bei denen vielen Regimentssorgen nicht, sich mit denen studiis und allerhand anmutigen Wissenschaften zu ergötzen, zu welchem Ende sie denn die kuriösesten Bücher und scripta mit großem Fleiß und Kosten zusammen suchte, gestalt sie denn unter andern Herrn Ludolph auf ihre Unkosten nach Rom schickte, damit er versuchen sollte, ob er von den alten Briefschaften die Johannes Magnus, Erzbischoff zu Upsal, im vorigen seculo, als er der Religion halber sich aus Schweden weg begeben, mit sich dahin genommen haben sollte, etwas antreffen könnte; sondern auch aus denen in Deutschland eroberten Orten die raresten codices nach Schweden bringen ließ.

Über das legte sie sich eine große Quantität der schönsten Münzen zu, wozu des berühmten Luckii Kabinett, welches sie an sich kaufte, und die herrlichen Medaillen so bei Eroberung Prag aus dem kaiserlichen Kabinett daselbst erbeutet worden — ein großes Beitrugen, wiewohl man doch davor hält, dass Monsieur du Fresne Trichet, welchen sie darüber gesetzet, ihr nicht allzu treulich hierunter vorgestanden, sondern viele der Kuriösesten, nebst vielen vortrefflichen Gemälden von den berühmtesten Künstlern, unter dem Vorwand, als ob sie von schlechter Importanz der Königin abgeschwatzt und mit sich nach Franckreich geschleppt.

Im übrigen ließ sie auch eine große Anzahl der vortrefflichsten Leute, unter anderen den weltberühmten Salmasium, Isaacum Vossium (welchen sie zwar Anfangs, weil er wider Salmasium geschrieben, nicht vor sich lassen wollen), Nicolaum Heinsium, Samuelem Bochartum, Gabrielem Naudæum, Johannem Freinshemium, Johannem Henricum Bœclerum, Renatum Descartes und andere nach Schweden rufen.

Der berühmte Menagius und Guido Patinus wurden auch verschrieben, allein sie haben sich entschuldigt, wiewohl der Erste anfänglich in seiner ecloga, deren er den Titel Christina geben, von Franckreich Abschied zu nehmen und sich schon zu der Reise zu schicken schiene.

An des Andern Stelle wurde hernachmals von Salmasio Bourdelot vorgeschlagen, welcher sich nicht lange bedachte nach Schweden zu gehen. Dieser Mensch, von welchem hernachmals so viel wird zu sagen sein, war eines Barbierers von Sens Sohn, und hieße eigentlich Michon; hat auch in seiner Jugend sich auf die Apothekerkunst gelegt, hernachmals eine Reise in Italien getan, und folgends sich als einen Medikum aufgeführt, wobei er denn vorgeben dürfen, dass er bei Papst Urbano VIII diese Funktion verwaltet, ja gar zum Kardinal gemacht werden sollen, wofern er länger bleiben wollen und nicht über Hals und über Kopf wieder nach Franckreich gangen wäre, welches aber die Wenigsten glauben wollen.

Den Namen Bourdelot hat er von einem seiner Vettern, welcher ihm unter anderen eine ziemlich feine Bibliotek, so auf 3,000 Reichstaler geschätzet war, vermacht angenommen. Er wollte für ungemein gelehrt und sonderlich vor einen trefflichen Poeten angesehen sein, allein die wenigsten seiner Landesleute haben ihm diese Qualitäten zugestehen wollen; vielmehr sieht man, dass Monsieur Chevreau ihn seiner Poesie halber mit Pelletier, Neuf-Germain und andern Pritschmeistern in eine Klasse setzt — ja, es haben etliche versichern wollen, dass er nicht drei Zeilen Latein ohne Schnitzer schreiben können, welches ich an seinen Ort gestellt sein lasse.

Ob er auch von der Religion so gar wenig Staat gemacht, wie ihm einige Schuld geben, will ich hier nicht untersuchen, sondern nur dieses noch erinnern: dass dieser Mensch durch seine Schmeichelei sich so tief bei der Königin insinuiert, dass nicht allein der berühmte Naudæus, sondern auch Monsieur Courtin, so Sekretarius bei der Königin war, und vor Bourdelots Ankunft in großen Gnaden stund, in Ungnaden verfielen und sich wieder zurück begaben — ja, dass auch die Vornehmsten des Königreichs ihm flattieren mussten, wovon in Zukunft mit mehreren wird zu sagen sein.

Damit sie nun mit diesen gelehrten Leuten sich besprechen könnte, stellte sie alle Donnerstage eine öffentliche Konferenz an, so sie deshalber Jovialem zu nennen pflegte, in welcher allerhand kuriöse Materien überlegt wurden.

Bei diesen Umständen nun, und da die Königin so eine große Affektion zu gelehrten Leuten bezeugte, hatte man wohl Ursach, sich zu verwundern, dass sie gegen den unvergleichlichen Hugonem Grotium, so sich bisher als königlicher schwedischer Gesandter in Frankreich aufgehalten, ganz anders erwiesen; inmaßen sie ihn nicht allein einige Zeit nach Antretung ihrer Regierung von der bisherigen Ambassade zurück berufen, sondern auch hernachmals bei der Abschiedsaudienz, so sie ihm vor seiner Abreise aus Schweden ertheilt, allerhand verdrießliche Worte laufen lassen; welche aber dieser vortreffliche Mann nicht weiter beantwortet, als dass er einen tiefen Reverenz gemacht und gesagt: "Madame, ich verbleibe Eurer Majestät untertänigster Diener", und damit seinen Abtritt genommen.

Welche Kaltsinnigkeit die Königin dermaßen verdrossen, dass sie auch gegen die Umstehenden sich vernehmen lassen; es wäre gleichwohl eine große Unhöflichkeit, dass er nicht einmal von ihr Abschied genommen. Allein ein bekannter Franzose, Namens Marigny, der eben dabei zugegen und allem Ansehen nach Grotio wohl affektioniert war, entschuldigte ihn und beredete die Königin, dass es in Frankreich die Mode wäre, mit solchen worten Abschied zu nehmen; so sie denn endlich geglaubt und Grotio noch ein Präsent an Kupfer von mehr als 13,000 Taler nachgeschickt.

Doch hat auch im übrigen die große Affektion, so sie gegen die andern jetzterwähnte Personen bezeugt nicht allzu lange gewährt, sondern sie ist ihrer, weil sie ihr nicht galant genug zu sein dauchten, bald überdrüssig worden; dahero auch die meisten, als Salmasius, Vossius, Bochartus, Freinshemius, Bœclerus und andere, einer nach dem andern, ziemlich unvergnügt weggewandert. Wiewohl etlichen ein jährlich Gnadengeld bei ihrer Abreise war versprochen, aber nachmals nicht allzu richtig bezahlt worden.

Der einzige Bourdelot hat sich noch einige Zeit bei ihr in vorigen Gnaden erhalten, ungeachtet die königliche Frau Mutter; Pfalzgraf Karl Gustav, so zu ihren künftigen successore deklariert war; Graf Magnus de la Gardie, und die meisten Reichsräte samt der ganzen Klerisei ihm Spinnefeind waren, teils weil sie ihn in Verdacht hielten, als ob er die Königin zu allerhand übeln Gedanken von der Religion und Gottes Wort verleitete, teils und sonderlich Graf Magnus, weil Bourdelot von ihm gegen die Königin schimpflich geredet haben soll. Allein die Königin war von diesem Menschen einmal so eingenommen, dass sie, was wider Bourdelot vorgebracht ward, eine lange Zeit durchaus nicht annehmen wollte; ja, sogar den Graf Magnus de la Gardie deshalber disgrazierte und ihre leibliche Frau Mutter seinethalber Übel anließ.

Denn, als diese auf Einraten etlicher Reichsräte sich wagte vor ihrer abreise nach Nyköping, ihr einzureden und vorzustellen, wie die Geistlichkeit und das gesamte Volk sich über Bourdelot beschwerten und Sorge trügen, dass er ihr solche Maximen beibringen würde, welche mit ihrer Vorfahren Religion nicht wohl beisammenstehen könnten; wiewohl sie (die Frau Mutter) nicht hoffen wollte, dass, nachdem der Königin leiblicher Vater, der große Gustavus Adolphus, mit solchem Ruhm selbige bekennt und verteidigt, auch sein Leben davor aufgeopfert, sie die Königin anjetzo sich etwas so damit nicht übereinstimmte, würde bereden lassen.

Hatte sie ihr eine Weile zwar geduldig zugehört, allein, wie die Predigt zu lange dauren wollen, war sie ihr in die Rede gefallen und hatte geantwortet, sie erkennte sich zwar der Frau Mutter wegen ihrer wohlgemeinten Warnung verbunden; allein es wäre diese Materie vor si[e] beide zu hoch, und demnach besser, dass man sie denen Priestern überließe; auch, als jene wieder anfangen wollen, mit einer zornigen Miene gesagt, sie wüsste diejenigen wohl, die sie bewegt dergleichen Reden zu führen, und wollte selbige lehren wer sie die Königin wäre, dass sie gewiss ihre Unbedachtsamkeit bereuen sollten.

Worauf sie davon [ge]gangen, auch, als man ihr zwei Stunden darauf zu verstehen geben, dass ihre Frau Mutter so sehr weinte und niemand vor sich lassen wollte, ganz kaltsinnig zur antwort geben: "Sie ist Schuld daran; warum hat sie sich diese Verdrießlichkeit zugezogen?"

Doch, etliche Stunden hernach, als man ihr gesagt, dass ihre Frau Mutter sich gar nicht zufrieden geben wollte, hat sie selbige wieder besucht und sehr freundlich begegnet ohne dessen, was vorgangen, im geringsten zu erwähnen, wodurch diese sich denn auch zwar wieder etwas stillen lassen, gleichwohl ihre Reise nach Nyköping fortgesetzt.

Weil nun die Königin sich des Bourdelot mit solchem Eifer annahm, so konnten seine Widerwärtigen eine geraume Zeit nichts richten; ja, sie mussten vielmehr den Hass so sie gegen ihn hegten, verdrucken, und ihn auf alle Weise, der Königin zu gefallen, karessieren; Gestalt man denn unter andern observiert, dass fast alle grandes ihm bei Antritt des 1653ten Jahres Neujahrsgeschenke so reichlich geschickt, dass sich selbige zusammen über 20,000 Taler belaufen haben. Ja, als er bald nach dem Wortwechsel, den die Königin mit ihrer Frau Mutter seinetwegen gehabt, in eine Krankheit gefallen, haben ihn alle die vornehmsten am Hofe, ja die Königin selbst, besucht.

Endlich, weil er sogar verhasst bei jedermann war, musste sich die Königin entschließen, dass sie, um größer Unglück zu vermeiden, ihm seine Dimission gab, worauf er sich denn wieder nach Frankreich gewendet; nachdem ihm die Königin über eine Abtei von 2,000 Taler jährlichen Einkommens, so sie ihm in Frankreich kurz zuvor zu Wege bracht, auch bei seiner Abreise nebst einem Rekommendationschreiben an die Königin in Frankreich 10,000 Taler bar Geld und 20,000 Taler an Wechselbriefen auf den Weg gegeben, und ihn in einer von ihren Karossen bis auf die Gränzen von Dänemark bringen lassen.

So hatten auch Pfalzgraf Karl Gustav selbst und sein Bruder Johann Adolph [sic], ungeachtet sie ihm Spinnenfeind waren, der Königin zu Liebe ihm ihre Bildnis, davon das Erste auf 2,000, das andere auf 1,000 Taler geschätzt wurden, verehrt; wiewohl dieses Pfalzgraf Karl Gustaven so schwer eingangen, dass er einen ganzen Tag zugebracht, ehe er sich dazu resolvieren können, bis ihn endlich einer von seinen vertrautesten erinnert, dass er die Königin, der er solches zu tun einmal versprochen heftig erzürnen würde; wofern er es nunmehr retraktieren wollte, dass er also sich darinnen endlich überwunden.

Wie über dem ein jedweder am Hofe auf ihn Regard machen müssen, ist aus folgender Begebenheit, welche wenigen bekannt, zur Genüge zu erkennen. Es hatte Monsieur Bourdelot angestellt, dass der alte Marcus Meibomius, der sich einbildete, dass er die musicam veterum, davon er ein gelehrtes Werk geschrieben, sonderlich verstünde, und damals bei der Königin bibliothecarius war, eine Konzert aus der alten Musik in Gegenwart der Königin absingen, und Naudæus danach tanzen sollte.

Weil aber Meibomius eine schlechte Stimme hatte, und daher ein groß Gelächter entstand, wurde er darüber so tolle, dass er dernach mit dem Bourdelot, den er Schuld daran zu sein vermeinte, auf der Bibliothek anbund, ihn einen Ignoranten schalt und gar an den Hals schlug. Allein, wie es Bourdelot der Königin klagte, sagte sie, warum er ihn nicht durch die Pagen hätte lassen zum Fenster hinaus schmeißen; und musste Meibomius sein Bibliothekariat und Schweden quittieren.

Allein, nachdem Bourdelot kaum den Rücken gewendet, so war auch die große Gnade aus; und redete die Königin auf das Schimpflichste von ihm, sogar, dass, als sie ein Paket aus Frankreich bekam und einen Brief von ihm darinnen gefunden, sie selbigen nicht einmal geöffnet, sondern vor die Nase gehalten und gesagt: "Pfui, wie stinkt das nach Artzenei!", auch darauf das Schreiben weggeworfen.

Ja, als sie bald hernach Monsieur du Fresne einiger Sachen halber, davon sie vormals mit Bourdelot geredet und ihm die Direktion versprochen hatte, nach Frankreich gesendet, hat sie ihm ausdrücklich verboten, dass er nichts mit Bourdelot daraus kommunizieren sollte, weil sie mir diesem Menschen durchaus nichts weiter zu schaffen haben möchte. Allein die principia, so er der Königin von der Religion und andern Dingen einmal beigebracht, sind mehr als zu Wohl beklieben, und haben sich immer mehr und mehr zu jedermanns Bestürzung geäußert.

Man hat unter anderen von ihr vorgegeben, dass sie davor gehalten:

Man müsste Gott lieben, als den Ursprung und die Quelle alles Guten; man müsste denselben aber nicht fürchten, weil es sich nicht wohl reimte, vor einem solchen Wesen sich zu fürchten, welches seiner Eigenschaft nach Gut sei und nichts Böses tun könne. Vor denen bösen Menschen aber müsste man sich fürchten, welche des Nächsten Ehre, Leben und Güter auf tausenderlei Art beschädigen könnten, und dieses wären die rechten Teufel, welche das gemeine Volk so steif und fest glaubte.

Ein verständiger Mensch sollte sich niemals etwas reuen lassen, auch nicht verzeihen, weil beides eine Unbeständigkeit in sich begreife. Man sollte zwar zuvor wohl überlegen, was man tun wollte, aber den einmal gefassten Schluss nimmermehr ändern. Die sonderbaren Meinungen wären die allerbesten, weil die allgemeinen meistenteils verderbt und mit allerhand Aberglauben und Irrtümern befleckt wären.

Was man Religion nenne, sei ein bloßer Betrug, weil doch die Menschen einmal betrogen sein wollten. Es wäre ja unmöglich, dass ein Glaube welcher die Augen verblende, und ihnen das Nachdenken und Räsonieren verbiete, wahr sein sollte; und warum sollte man doch dasjenige was man mit der Vernunft nicht begreifen könnte glauben, ja noch dazu sich verbündlich machen, es zu glauben?

Das wäre ja recht, als wenn man dem Menschen zumuten wollte, dass er sich selber die Augen ausstechen solle, um desto besser zu sehen. So viel verschiedene Sekten, so in die vier Teile der Welt ausgebreitet worden, wären nur Träume und Einbildungen etlicher Leute, die solche teils aus Einfalt, teils als Schalkheit, um sich dadurch einen großen Namen zu machen, aufgeworfen hätten.

Platonis Meinung von der allgemeinen Seele der Welt, deren die Menschliche ein Stück wäre, sei so wahrscheinlich, dass sie sich verwundete, warum nicht alle Gelehrte selbige angenommen? Sie ihres Orts glaube keine andere Unsterbligkeit der Seelen, als diejenige, welche sich in diesem allgemeinen Geiste befinde, in welchem die Anderen nach ihrem Tode wieder zurückkehrten.

Moyses sei so ein großer Betrüger als verständiger Mann gewesen, und getraue sie sich zu behaupten, dass das bei dem Durchgang der Israeliten durch das Rote Meer angegebene Wunderwerk ein falsches Vorgeben und alles von ihm durch die Ebbe und Flut, von welcher Eigenschaft des Meeres er gute Nachricht gehabt, verbracht worden.

Nun lasse ich zwar dahin gestellt sein, ob dieses alles sich eben in der Wahrheit also verhalten. Allein dass sie doch sonst allerdings seltsame Meinungen von der Religion gehabt, ist mehr als zu gewiss; und kann man solches unter anderen aus dem Diskurs, den sie kurz vor Aufgebung der Regierung gegen ihre Frau Mutter geführt, abnehmen.

Denn als zu Nyköping über der Tafel erzählt ward, dass des General Fleetwoods Gemahlin, so der augsburgischen Konfession zugetan gewesen, und ihre mit ihm erzeugte Töchter auch in solchem Glauben bisher aufziehen lassen, gestorben, und der General durchaus haben wollte, dass seine Töchter in der reformierten Religion hinführo erzogen werden sollten, hatte sie die Königin anfangs gesagt: "Es wäre schade um die armen Kinder, dass sie so um ihre Seligkeit gebracht würden."

Als nun die verwittibte Königin darauf antwortete, sie hielte dafür, dass man auch bei der reformierten Religion wohl selig werden könnte, wenn man sonst fromm und gottselig lebte, replizierte jene, sie (die Frau Mutter) wäre keine gute Lutheranerin wofern sie dieses glaubte; doch wunderte sie sich darüber nicht, denn weil ihr Herr Vater der reformierten Religion zugetan gewesen, so könnte man sich leicht einbilden, dass sie noch immer innerlich zu derselben inklinierte.

Dieser Vorwurf verdross die verwittibte Königin so sehr, dass sie auch mit ziemlicher Heftigkeit antwortete, sie wäre allerdings eine gute Lutheranerin und wollte nichts mehr wünschen, als dass sie, die Königin, es so wohl als sie wäre, oder doch zum wenigsten, dass sie nicht schlimmere Meinung von der Religion hätte, als etwa die Reformierten; so aber hätte man eine geraume Zeit her verspüren müssen, dass sie solche Reden geführt, die mit der lutherischen Religion nicht wohl überein kämen; und gläubte sie nicht, dass, wenn ihr Herr Vater König Gustavus Adolphus noch leben sollte, sie dergleichen hätte führen dürfen.

Die Königin versetzte darauf: "Es ist mir leid, dass er gestorben; doch bin ich versichert, dass wenn er lebte, ich ihm dasjenige, was ich gesagt, zur Genüge wollte erwiesen haben."

"Und was wollte die Frau Mutter wohl davon halten, wenn ich sagte (wie viele versichern), dass alle Menschen werden selig werden, die Beiden so wohl als die Christen?"

Über welchen Diskurs die verwittibte Königin sich so betrübt, dass sie fast die ganze Nacht mit Weinen zugebracht. Sonst hat sie [Christina], nachdem sie einmal die Regierung übernommen, sich überaus jaloux ihrer Autorität halber bezeugt, dahero sie auch durchaus haben wollen, dass fremde ministri dasjenige, was sie anzubringen hätten, ihr selbst unmittelbar vortragen sollten; Gestalt sie denn auch sonst der Uneinigkeit und Ämulation unter denen grandibus sich zu Befestigung ihrer Autorität artig zu gebrauchen gewusst, auch durchaus nicht verstatten wollen, dass ihre Leute andern Potentaten auf einigerlei Weise verpflichtet sein sollten.

Dahero sie denn unter anderen nicht zugeben wollen, dass Pfalzgraf Karl Gustav den Orden des Hosenbandes, welchen ihm der König von England zugedacht, annehmen, oder Graf Magnus de la Gardie sich zum Reichsfürsten machen lassen sollte.

In welchem Stücke sie der Königin Elisabeth von England nachahmete, von welcher man erzählt, dass, als König Heinrich der IV von Frankreich zwei Englischen von Adel, Niklas Clifford und Anton Shirley, wegen der guten Diensten, so sie ihm bei denen damaligen innerlichen Kriegen geleistet, in den Ritterorden von Sankt Michael aufgenommen, sie selbige nach ihrer Zurückkunft in haft nehmen lassen, und gezwungen, dass sie die Ordenskette wieder zurückschicken und ihre Namen aus dem Ordensregister wieder auslöschen lassen müssen, mit Vorgeben, dass, wie eine rechtschaffene Weibesperson ihre Augen auf niemand anders als ihren Ehemann richten; also auch ein Untertan auf niemand als seinen rechtmäßigen Oberherren sehen sollte, und könnte sie durchaus nicht leiden, dass ihre Schafe von einer fremden Hand gezeichnet würden, oder eines andern Hirten Pfeiffe folgen sollten.

Es ist auch vermutlich diese Jalousie über ihrer Autorität Ursach gewesen an der festen Resolution, die sie gefasst, sich niemals zu verheiraten, ungeachtet es ihr, wie leicht zu glauben, an Gelegenheiten nicht gefehlt.

English translation (my own):

The beginning of her reign was immediately made famous by the Peace of Brömsebro, which she concluded with the Crown of Denmark and which was so advantageous to the Crown of Sweden. This peace was concluded on August 13, 1645, through the mediation of the Crown of France, and in which Jämtland and Härjedalen, together with the islands of Gotland and Ösel, were ceded to the Swedes forever, but the province of Halland for 30 years.

This was followed several years later by the peace with Germany, which was concluded at Osnabrück, in which Sweden received the bishoprics of Bremen and Verden, the principality of Rugia, the duchy of Fore Pomerania, and from Farther Pomerania Stettin, Damm, Gollnow, the entire Oder river including the banks on both sides, and the expectation of the rest of Pomerania after the demise of the electoral and princely house of Brandenburg, as well as the dominion of Wismar, including the counties of Poel and Neukloster and the fort called Walfisch, as a fief of the realm for satisfaction, and more than 5 million riksdalers were paid to pay her militia.

Meanwhile, despite the many cares of ruling, she did not neglect to amuse herself with studies and all kinds of charming sciences, for which purpose she sought out the most curious books and scripts with great diligence and expense, and among other things she sent Mr. Ludolf to Rome at her own expense so that he could try to find any of the old letters that Johannes Magnus, Archbishop of Uppsala, had taken with him in the previous century when he left Sweden for religious reasons. She also had the rarest codices brought to Sweden from the places conquered in Germany.

In addition, she acquired a large quantity of the finest coins, to which she added Luckius' famous cabinet, which she bought for herself, and the magnificent medals which were captured from the imperial cabinet there at the time of the conquest of Prague — a great contribution, although it is believed that Monsieur du Fresne Trichet, whom she had put in charge, did not look after her very faithfully in this regard, but rather many of the most curious, along with many excellent paintings by the most famous artists, under the pretext that one had cajoled the Queen into getting rid of them due to their bad importance and dragged them along to France.

Moreover, she also summoned a large number of the most distinguished people to Sweden, among them the world-famous Saumaise, Isaac Vossius (whom she did not want to admit at first because he had written against Saumaise), Nicolaus Heinsius, Samuel Bochart, Gabriel Naudé, Johann Freinsheim, Johann Heinrich Boeckler, René Descartes and others.

The famous Ménage and Gui Patin were also invited, but they excused themselves, although the former initially seemed in his eclogue, to which he gave the title Kristina, to be saying goodbye to France and already preparing to travel.

Saumaise later suggested Bourdelot as the other candidate, but he did not hesitate to go to Sweden. This man, of whom much will be said later, was the son of a barber from Sens, and was actually called Michon. In his youth he had also studied the apothecary art, later travelled to Italy and then posed as a doctor, claiming that he was in charge of this function under Pope Urban VIII, and would even have been made a cardinal if he had wanted to stay longer and not rushed back to France, which very few people would believe.

He took the name Bourdelot from one of his uncles, who, among other things, left him a rather fine library, valued at 3,000 Reichstalers. He claimed to be extremely learned and especially regarded as an excellent poet, but very few of his countrymen were willing to grant him these qualities; rather, one sees that Monsieur Chevreau puts him in the same class as Pelletier, Neuf-Germain and other buffoons because of his poetry — indeed, some have wanted to assure that he could not write three lines of Latin without making a mistake, which I will put in its place.

I will not examine here whether he made as little of a show of religion as some blame him for, but I will only remind you that this man, through his flattery, insinuated himself so deeply with the Queen that not only the famous Naudé, but also Monsieur Courtin, who was secretary to the Queen and who was in great favour before Bourdelot's arrival, fell into disgrace and returned home — indeed, that even the noblest men of the kingdom had to flatter him, of which more will be said in the future.

So that she could now speak with these learned people, she held a public conference every Thursday, which she therefore used to call Jovial, in which all kinds of curious matters were discussed.

Under these circumstances, and since the Queen displayed such a great affection for learned people, there was reason to be surprised that she behaved quite differently toward the incomparable Hugo Grotius, who had previously served as royal Swedish ambassador in France. Not only did she recall him from his previous embassy some time after her accession to her reign, but she also subsequently uttered all sorts of peevish words at the farewell audience she granted him before his departure from Sweden. To these, however, this excellent man offered no further response than to make a profound bow and say: "Madame, I remain Your Majesty's most humble servant", and he thus departed.

This coldness so irritated the Queen that it even made itself heard by those around her; it would nevertheless be a great impoliteness that he had not even taken leave of her. However, a well-known Frenchman named Marigny, who was present at the time and, by all appearances, was quite affectionate to Grotius, excused him and persuaded the Queen that it was the fashion in France to take leave with such words; so she finally believed him and sent Grotius a gift of more than 13,000 dalers in copper.

However, the great affection she showed toward the other persons just mentioned did not last very long, but she soon grew weary of them because they seemed insufficiently gallant to her. Therefore, most of them, such as Saumaise, Vossius, Bochart, Freinsheim, Boeckler, and others, departed one after another rather disgruntled. Although several of them had been promised an annual stipend upon their departure, this was not properly paid afterward.

Bourdelot alone remained with her for some time in his former favour, despite the fact that her royal lady mother; Count Palatine Karl Gustav, who had been declared her future successor; Count Magnus de la Gardie, and most of the councilmen, along with the whole clergy, were utterly hostile to him, partly because they suspected him of leading the Queen into all sorts of evil thoughts about religion and the Word of God, and partly and especially Count Magnus, because Bourdelot was said to have spoken slanderously against the Queen through him. However, the Queen was once so taken with this man that for a long time she would not accept anything that was said against Bourdelot; indeed, she even disgraced Count Magnus de la Gardie for it and accused her own natural lady mother of evil on his account.

For when, on the advice of several councilmen, she dared, before her departure to Nyköping, to persuade her and represent to her how the clergy and all the people complained about Bourdelot and were worried that he would teach her maxims which could not be in harmony with the religion of her forefathers; although she (the lady mother) did not want to hope that, after the Queen's natural father, the great Gustav Adolf, had so famously confessed and defended it, and had even sacrificed his life for it, she would now allow the Queen to be persuaded to do anything that did not agree with it.

She had listened to her patiently for a while, but when the sermon seemed to be going on too long, she interrupted her and replied that she felt a sense of solidarity with her lady mother for her well-intentioned warning; but that this matter was too difficult for both of them, and it would therefore be better to leave it to the priests. And when they were about to begin again, she said with an angry mien that she knew very well those who had persuaded her to make such statements, and she wanted to teach them who she, the Queen, was, so that they would surely repent of their thoughtlessness.

Whereupon she left. Even when two hours later one gave her to understand that her lady mother was crying so much and would not let anyone see her, she replied quite coldly: "It's her fault; why has she brought this annoyance upon herself?"

However, several hours later, when it was told her that her lady mother would not at all let herself be satisfied, she visited her again and treated her very kindly without mentioning what had happened, which did calm her down somewhat, but she nevertheless continued her journey to Nyköping.

Because the Queen took Bourdelot under such zeal, his enemies were unable to remedy her situation for a considerable time. Indeed, they had to suppress the hatred they harboured against him and caress him in every way in order to please the Queen. Among other things, it has been observed that almost all the grandees sent him such lavish New Year's gifts at the beginning of 1653 that they totaled over 20,000 dalers. Indeed, when he fell ill shortly after the quarrel between the Queen and her mother concerning him, all the most distinguished people at court, including the Queen herself, visited him.

Finally, because he was hated by everyone, the Queen had to decide to give him his dismissal in order to avoid greater misfortune, whereupon he returned to France; after the Queen had given him an abbey with an annual income of 2,000 dalers, which she had recently arranged for him in France, and after he had left, she also gave him 10,000 dalers in cash and 20,000 dalers in bills of exchange, along with a letter of recommendation to the Queen of France, and she had him brought to the borders of Denmark in one of her carriages.

Thus, Count Palatine Karl Gustav himself and his brother Johan Adolf [sic], despite being his worst enemy, had, out of love for the Queen, presented him with her portraits, the first of which was valued at 2,000 and the other at 1,000 dalers; although this had been so difficult for Count Palatine Karl Gustav that he spent a whole day before he could decide to do it, until finally one of his closest friends reminded him that he would greatly anger the Queen, to whom he had once promised to do this, if he were to retract it, so that he had therefore finally overcome his fear.

How much everyone at court had to show regard for him is clearly evident from the following incident, which is known to few. Monsieur Bourdelot had arranged for old Marcus Meibomius, who imagined himself to have a special understanding of ancient music, on which he had written a learned work, and who was then the Queen's librarian, to sing a concert of ancient music in the Queen's presence, and for Naudé to dance to it.

But because Meibomius had a bad voice, which caused much laughter, he became so furious that he dragged Bourdelot, whom he believed to be responsible, to the library, called him an ignoramus, and even punched him in the neck. But when Bourdelot complained to the Queen, she asked him why he had not had the pageboys throw him out the window; and Meibomius had to quit his position as librarian and quit Sweden.

But as soon as Bourdelot had turned his back, the great grace was gone; and the Queen spoke of him in the most disgraceful manner, so much so that when she received a parcel from France and found a letter from him inside, she did not even open it, but held it up to her nose and said: "Ugh, how it stinks of medicine!", and then threw the letter away.

Indeed, when she soon afterward sent Monsieur du Fresne to France on account of some matters she had previously discussed with Bourdelot and promised him the direction of, she expressly forbade him from communicating anything with Bourdelot about them, because she absolutely did not want to have anything more to do with that man. But the principles he once taught the Queen about religion and other matters were more than well received and, to everyone's consternation, have become more and more apparent.

Among other things, it has been claimed that she held the following:

One should love God as the origin and source of all good; but one should not fear Him, because it does not make sense to fear such a being who is inherently good and can do no evil. But one should fear evil men, who can damage one's neighbour's honour, life, and property in a thousand different ways, and these are the real devils whom the common people so stiffly and firmly believe in.

A prudent person should never regret anything nor forgive, because both involve inconstancy. One should consider carefully beforehand what one intends to do, but one should never change a conclusion once formed. The peculiar opinions are the very best, because the common ones are mostly corrupt and tainted with all kinds of superstitions and errors.

What is called religion is a mere deception, because people want to be deceived once in a while. It would be impossible for a belief that blinds the eyes and forbids reflection and reasoning to be true; and why should one believe what one cannot comprehend with reason, and why even make oneself obliged to believe it?

That would be like asking people to put out their own eyes in order to see better. So many different sects, spread throughout the four corners of the world, would be merely the dreams and fantasies of a few people, who had created them partly out of naïveté, partly out of mischief, so as to make a great name for themselves.

Plato's opinion of the universal soul of the world, of which the human soul is a part, was so probable that it was unsettling. Why did all scholars accept it? For her part, she believed in no other immortality of souls than that which resides in this universal spirit, to which others return after their death.

Moses was as great a deceiver as he was a prudent man, and she dared to assert that the miracle attributed to the Israelites' passage through the Red Sea was a false pretense and that everything had been caused by the ebb and flow of the tides, of which property of the sea he had good news.

Now, I will leave it open whether all this is actually true. However, it is more than certain that she otherwise had strange opinions about religion; and this can be inferred, among other things, from the discourse she had with her lady mother shortly before she gave up the government.

For when it was reported at the table in Nyköping that General Fleetwood's wife, who had been devoted to the Augsburg Confession and had also raised her daughters with him in that faith, had died, and the General was determined that his daughters should henceforth be raised in the Reformed religion, the Queen had at first said: "It would be a shame for the poor children that they should be deprived of their salvation in this way."

When the widowed Queen replied that she believed that one could also be saved in the Reformed religion if one otherwise lived a pious and godly life, the Queen replied that she (the lady mother) would not be a good Lutheran if she believed this; but she was not surprised by this, for since her lord father had been devoted to the Reformed religion, one could easily imagine that she still inwardly inclined towards it.

This reproach annoyed the widowed Queen so much that she replied with some vehemence that she was indeed a good Lutheran and wished for nothing more than that she, the Queen, should be as well as she was, or at least that she should not have a worse opinion of religion than, say, the Reformed; but one should have sensed for some time that she had made such statements that were not in harmony with the Lutheran religion; and she did not believe that if her lord father, King Gustav Adolf, were still alive, she would have been allowed to make such statements.

To this the Queen replied: "I am sorry that he is dead; but I am assured that if he lived, I would have done him justice for what I have said."

"And what would my Lady Mother think if I said (as many assure) that all people will be saved, both them and the Christians?"

The widowed Queen was so distressed by this discourse that she spent almost the entire night weeping. Otherwise, after taking over the government, she [Kristina] showed herself extremely jealous of her authority, and therefore she insisted that foreign ministers should present their proposals directly to her. Moreover, she also knew how to use the dissension and emulation [jealousy, rivalry] among the grandees to strengthen her authority, and she absolutely refused to allow her people to be in any way beholden to other potentates.

Therefore, among other things, she did not want to allow Count Palatine Karl Gustav to accept the Order of the Garter, which the King of England intended for him, or Count Magnus de la Gardie to allow himself to be made a prince of the Realm.

In this respect she imitated Queen Elizabeth of England, of whom it is said that when King Henry IV of France admitted two English noblemen, Nicholas Clifford and Anthony Shirley, into the Order of St. Michael for the good services they had rendered him during the internal wars at that time, she had them imprisoned upon their return and compelled them to return the chain of the Order and to have their names blotted out from the register of the Order, on the grounds that, just as an upright woman should fix her eyes on no one but her husband, so too should a subject look on no one but his rightful overlord, and she could not at all tolerate that her sheep should be marked by a strange hand or should follow the pipe of another shepherd.

It was probably this jealousy of her authority that led to her firm resolution never to marry, despite the fact that, as is easy to believe, she had no lack of opportunities.


Above: Kristina.


Above: Pierre Bourdelot.


Above: Maria Eleonora.


Above: Christian Stieff.

Notes: Ösel is the old German and Swedish name for the Estonian island of Saaremaa.

Stettin is the German name for the town of Szczecin in what is now the West Pomeranian Voivodeship in Poland.

Damm is the German name for Dąbie, a municipal neighbourhood of Szczecin (Stettin) in what is now the West Pomeranian Voivodeship in Poland.

Gollnow is the German name for Goleniów, a town in what is now the West Pomeranian Voivodeship in Poland.

Walfisch is an uninhabited island in the Bay of Mecklenburg in the Baltic Sea. During the Thirty Years' War there was a fortress there, but it was destroyed in 1717 after the Northern Wars, and today the island is a nature reserve.

Sunday, July 21, 2024

Christian Stieff on Kristina's appearance, parents, upbringing, and coming to power in fact as well as in name at age eighteen

Source:

Leben der Weltberühmten Königin Christina von Schweden nach denen geheimesten intrigven und merckwürdigsten umständen mit möglichstem fleiße entworffen, pages 3 to 15, by Christian Stieff, 1705; original at the University of Michigan


The account:

Es ist die grosse Königin Christina den 8 December des 1626sten jahres gebohren worden. Jhr Hr. vater war der welt-berühmte held König Gustavus Adolphus von Schweden; die frau mutter Maria Eleonora / eine tochter Churfürst Johannis Sigismundi von Brandenburg. Jhre leibes- und gemüths-qualitäten betreffend / so ist kein zweiffel / daß sie mit denen letzten reichlicher als denen ersten begabet gewesen. Denn ob sie schon sehr klare haut / schöne augen und zähne / rothe lippen und einen kleinen mund gehabt / so ist sie doch hingegen ziemlich starck von leibe gewesen / auch über dieses durch eine hohe hüffte und gebognen rücken nicht wenig verstellet worden. Jhren humeur belangend / hat der autor eines Frantzösischen tractätgens / so unter dem titul: "le Genie de Christine" vor geraumer zeit in druck kommen / (welcher einiger meynung nach Mons. Chevreau seyn soll) nicht uneben davon geschrieben / daß darinnen Minerva, Mars, Venus und Mercurius auff gewisse masse zusammen regieret. Denn wie man an einem theil ihr allerdings zugestehen muß / daß sie sehr großmüthig und behertzt / auch mit einem gantz ungemeinen verstande / und solcher gelehrsamkeit / dergleichen nicht allein bey grossen Herren und frauenzimmer / sondern durchgehends nicht viel anzutreffen / begabt gewesen; so kan man doch hingegen andern theils auch nicht läugnen / daß sie jederzeit ein sehr unbeständiges und veränderliches gemüth gehabt / wie dessen ihr gantzes leben / sonderlich aber die auffgebung ihrer regierung / die veränderung ihrer religion / ihrer favoriten / Graf Magnus de la Gardie, Marquis Monaldeschi, Bourdelot, und andere ein satsames zeugnis geben können. Was für ein ascendant Venus über sie gehabt / ist nicht vor nöthen hier anzuführen / weil doch dasselbe aus demjenigen / so von ihr erzehlet werden soll / schon einiger massen abzunehmen seyn wird. Jhren Hrn. vater hat sie in zarter kindheit verlohren / als welcher / nachdem er mit seinen siegreichen waffen in Teutschland von der Ost-see an biß an den Rheinstrom durchgedrungen / und so gar an besagtem flusse sich vieler orte bemächtiget / bey seinem blühenden glücke und besten jahren in dem berühmten treffen bey Lützen / da er (wie ein berühmter Frantzösischer Scribent von seinem tode nicht uneben schreibet) den degen in der faust / das commando in dem munde / und den bevorstehenden sieg schon in denen gedancken führete / med. Novemb. des 1632sten jahres geblieben. ...

Gleichwol hat die Königl. Schwedische armee / dieses betrübten falls ungeachtet / unter anführung Hertzog Bernhards von Sachsen-Weimar die wahl-statt behauptet / und einen herrlichen sieg wider die Kayserl. befochten / daß also das glücke / welches den hochseligsten König bißhero bey so vielen gefährlichen entreprisen begleitet / ihn auch im tode nicht verlassen / sondern vielmehr einem so berühmten helden durch die grosse niederlage der feindlichen armee ein ewigwährendes monument in den andencken der nachwelt aufrichten wollen / und von ihm auff der begräbniß-müntze mit gutem recht gesaget worden:

"Stans, acie pugnans, vivens moriensque triumphat:"

Welche worte fast eben den verstand haben / den seine hinterlassene Frau wittwe unter sein bildniß in folgenden versen mit eigner hand verzeichnet hat:

"Sein tugend und ehr / und tapffer unsterblich that
Jm leben und tod mit triumph gesieget hat."

Es ist sein tod damahls vielen einige zeit gantz unglaublich vorkommen / und hat man anfangs spargiren wollen / er habe sich heimlich nach Schweden begeben / frische völcker von dar abzuholen / und zu sehen / wie die alliirten protestirende Stände sich inzwischen bezeigen würden; worzu denn nicht wenig beygetragen / daß der todts cörper des Königs von denen pferden im gesichte sehr zutreten und also etwas unkänntlich gewesen / gestalt denn so gar allerhand ursachen pro & contra, ob er warhaftig todt oder nicht / in öffentlichen druck kommen; allein der ausgang hat die warheit von seinem tödtlichen hintritt mehr als zu viel bezeuget. Der verblichene leichnam ist nach Schweden übergeführet und zu Stockholm in der kirche auf dem Ritterholm begraben / auch ihm ein prächtig grabmahl aufgerichter worden...

Nun hatte zwar der hochseligste König schon vormahls A. 1627 von denen versammleten Reichs-Ständen erhalten / daß selbige sich der zukünfftigen succession halber folgender massen erkläret: "Und weil uns das vornehmen unsers feindes schon längst verkundschafftet / daß er nemlich durch zukünfftigen tödlichen abgang ihrer Königlichen Majestät nicht wenig hoffnung und vertrauen bekommen / und ihrer viel von dem gemeinen volck den artickul von der erbvereinigung / A. 1604 mit denen Reichsständen getroffen / nicht wohl verstehen / so haben wir freywillig und mit reissem rath eben disse erb-vereinigung wiederholen / erklären und allen zu frischem gedächtniß führen wollen. Verpflichten uns derowegen wir samt und sonderlich / so wohl gegenwärtige als abwesende / so da noch leben oder leben möchten / da Jhre Königl. Majest. ohne männliche leibes-erben mit tode abgiengen / daß wir die durchlauchtigste Fräulein Christinam, der Schweden / Gothen und Wenden Princeßin / für unsre Erb-Fürstin erkennen / und bey aller Jhrer Königl. Majest. rechte nach dem erb-vereinigungs-schluß und denen rechten des Königreichs Schweden / die da unserer gethanen pflicht nicht zuwider / schützen wollen." Allein / weil sie damahls noch nicht einmahl das sechste jahr ihres alters erfüllet / und demnach zur regierung noch nicht tüchtig war / so ward die administration des Reichs / biß die Königin zu ihren mündigen jahren kommen / denen fünf hohen Reichs-ämtern / dem Drotzet Gabriel Gustavson Oxenstirn / dem Feldherrn Jacob de la Gardie, dem Reichs-Admiral Carl Güldenstern [sic] / dem Reichs-Cantzlar Axel Oxenstirn und Reichs-schatzmeister Gabriel Bengson Oxenstirn / dergestalt / daß sie solche mit zuziehung der Reichs-Räthe führen solten / aufgetragen / und des verstorbenen Königs hinterlassene frau wittwe gäntzlich davon ausgeschlossen / ja man hat ihr nicht einmahl die aufferziehung der Königin anvertrauen wollen / sondern selbige Princeßin Catharinen / Königs Gustavi Adolphi frauen schwester / Pfaltzgraf Johann Casimirs von Zweybrücken Gemahlin / überlassen / welche solche biß an ihr ende und auff das 1639ste jahr geführet; da man denn auch nach ihrem tode die frau mutter dennoch wieder übergangen / und andre vornehme Matronen aus denen vornehmsten familien dazu gezogen worden / denen man sonderlich eingebunden / die junge Königin bey zeiten daran zu gewehnen / daß sie sich nicht allzusehr auff einen allein verlassen / und demselben allzuviel trauen solte. Die ursachen / warum man die frau mutter so gar hindan gesetzt / waren / weil sie / der Schweden vorgeben nach / einen grossen widerwillen gegen die Schwedische Nation iederzeit gewiesen / und von selbigen durchaus keinen unter ihren bedienten leiden wollen / auch mit der Cron Dännemarck und andern Potentaten correspondentz unterhalten / so denen Reichs-Räthen etwas bedencklich vorkam / und hatte man sonderlich zu besorgen / daß sie der jungen Königin dergleichen widrige impressiones von ihren unterthanen beybringen möchte. Wie schwer nun dieses der verwittibten Königin zu gemüthe gangen / ist leicht zu ermessen. Jnzwischen hat sie doch müssen geschehen lassen / was nicht zu ändern stunde / wiewohl mit solchem verdruß / daß sie endlich gar sich resolviret / Schweden zu verlassen / und sich nach Dännemarck zu begeben / welches sie auch auf eine sonderliche art ins werck gerichtet. Denn sie schloß sich etliche zeit zuvor manchmahl nebst etlichen wenigen kammer-fräulein / unterm vorwand / daß sie einen fasttag halten wolte / auff dem schlosse zu Gripsholm in ein zimmer ein / daraus man auff den schloß-garten kommen konte. Nachdem sie nun solches eine weile getrieben / und diejenigen / so man ihr zur aufwartung zugeordnet / dessen gantz gewohnet waren / und sich keine gedancken mehr darüber machten / sie hingegen alles unter der hand zu ihrer abreise fertig machen lassen / stellte sie abermahl eine fünfftägige faste an / und nahm niemanden zu sich / als ein Fräulein von Bülau; allein / die folgende nacht stieg sie unvermerckt in den garten hinunter / und begab sich an das wasser / da denn schon ein nachen fertig stund / mit welchem sie sich auff die andre seite übersetzen ließ / und von dar mit abgewechselten pferden nach Niecoping eilte / alda sie sich auff ein Dänisches both setzte / auff welchem sie nach Gotland überfuhr / woselbst sie zwey Königl. Dänische kriegs-schiffe / so allem ansehen nach zu dem ende daselbst warteten / fand / und mit selbigen sich nach Dännemarck begab. Allein / die Schweden empfanden diese unvermuthete abreise so übel / daß sie nicht allein ihr leib-gedinge einzogen / sondern auch sie aus dem öffentlichen gebete ließen / und hat sie nach dem sich ausser dem Königreich aufgehalten / biß auf die zeit / da die Königin Christina gekrönet wurde / da sie endlich wieder zurücke gekehret / und die übrige zeit ihres lebens in Schweden zugebracht.

Jnzwischen lebte ihre tochter die Königin Christina unter aufsicht derjenigen Damen / die zu ihrer auferziehung verordnet waren / und gleichwie sie mit einem ungemeinen verstande und fähigem ingenio von GOTT begabet war / also nahm sie unter anführung ihres Præceptoris Johannis Matthiæ, so hernachmahls Bischoff zu Stregnes worden / in allen guten künsten und wissenschafften bey jungen jahren dermassen zu / daß nicht allein ihre unterthanen / sondern gantz Europa sich darüber verwunderten. Gestalt sie denn in ihrem achtzehenden jahre schon den Thucydidem und Polybium in ihrer eigenen sprache gelesen / und über diese so wohl als andre autores so zu discuriren gewust / daß jederman darüber erstaunet. Nachdem sie das achtzehende jahr ihres alters erfüllet / gaben die bißherigen vormünder am 7 Dec. des 1644 jahres ihre administration auff / und überliessen die regierung der Königin / welche solche darauff übernahm / und ward zum andencken dieses actus ein schaustücke geschlagen / auff welchem auff der einen seiten die Königin / und die fünff hohen Reichs-ämter mit denen Reichs-insignibus samt vier Deputirten von denen vier Reichs-ständen zu sehen / mit der beyschrifft:

"Imperium proles Gustavi Maxima Magni
Suscipit, innumeris vivat Christina triumphis."

Auff der andern seiten ward die kurtz vorher wider die Dänen erhaltene victorie zur see abgebildet / mit der unterschrifft:

"Augustæ, prendit dum sceptra potentia, lauro
Cingit sacratum Balthica pugna caput."

With modernised spelling:

Es ist die große Königin Christina den 8. Dezember des 1626sten Jahres gebohren worden. Ihr Herr Vater war der weltberühmte Held König Gustavus Adolphus von Schweden; die Frau Mutter Maria Eleonora, eine Tochter Kurfürst Johannis Sigismundi von Brandenburg. Ihre Leibes- und Gemütsqualitäten betreffend, so ist kein Zweifel, dass sie mit denen Letzten reichlicher als denen Ersten begabet gewesen, denn ob sie schon sehr klare Haut, schöne Augen und Zähne, rote Lippen und einen kleinen Mund gehabt, so ist sie doch hingegen ziemlich stark von Leibe gewesen, auch über dieses durch eine hohe Hüfte und gebogenen Rücken nicht wenig verstellet worden.

Ihren Humör belangend, hat der Autor eines französischen Traktätchens, so unter dem Titel: "Le génie de Christine", vor geraumer Zeit in Druck kommen (welcher einiger Meinung nach Monsieur Chevreau sein soll) nicht uneben davon geschrieben, dass darinnen Minerva, Mars, Venus und Merkurius auf gewisse Maße zusammen regieret. Denn wie man an einem Teil ihr allerdings zugestehen muss, dass sie sehr großmütig und behertzt, auch mit einem ganz ungemeinen Verstande und solcher Gelehrsamkeit, dergleichen nicht allein bei großen Herren und Frauenzimmer, sondern durchgehends nicht viel anzutreffen, begabt gewesen; so kan man doch hingegen andern Teils auch nicht leugnen, dass sie jederzeit ein sehr unbeständiges und veränderliches Gemüt gehabt, wie dessen ihr ganzes Leben, sonderlich aber die Aufgebung ihrer Regierung, die Veränderung ihrer Religion, ihrer Favoriten, Graf Magnus de la Gardie, Marquis Monaldeschi, Bourdelot, und andere, ein sattsames Zeugnis geben können.

Was für ein Aszendant Venus über sie gehabt, ist nicht vor Nöten hier anzuführen, weil doch dasselbe aus demjenigen, so von ihr erzählet werden soll, schon einigermaßen abzunehmen sein wird. Ihren Herren Vater hat sie in zarter Kindheit verloren, als welcher, nachdem er mit seinen siegreichen Waffen in Deutschland von der Ostsee an bis an den Rheinstrom durchgedrungen, und so gar an besagtem Flusse sich vieler Orte bemächtiget, bei seinem blühenden Glücke und besten Jahren in dem berühmten Treffen bei Lützen, da er (wie ein berühmter französischer Skribent von seinem Tode nicht uneben schreibt) den degen in der Faust, das Kommando in dem Munde, und den bevorstehenden sieg schon in denen Gedanken führte, med. novembris des 1632sten Jahres geblieben. ...

Gleichwohl hat die königliche schwedische Armee dieses betrübten Falls ungeachtet, unter Anführung Herzog Bernhards von Sachsen-Weimar die Wahlstaat behauptet, und einen herrlichen Sieg wider die Kaiserlichen befochten, dass also das Glücke, welches den hochseligsten König bishero bei so vielen gefährlichen Entreprisen begleitet, ihn auch im Tode nicht verlassen, sondern vielmehr einem so berühmten Helden durch die große Niederlage der feindlichen Armee ein ewigwährendes Monument in den Andenken der Nachwelt aufrichten wollen, und von ihm auf der Begräbnismünze mit gutem Recht gesagt worden:

"Stans, acie pugnans, vivens moriensque triumphat."

Welche Worte fast eben den Verstand haben, den seine hinterlassene Frau Wittwe unter sein Bildnis in folgenden Versen mit eigener hand verzeichnet hat:

"Sein Tugend und Ehr, und tapfer unsterblich Tat
Im Leben und Tod mit Triumph gesiegt hat."

Es ist sein Tod damals vielen einige Zeit ganz unglaublich vorkommen, und hat man Anfangs spargieren wollen, er habe sich heimlich nach Schweden begeben, frische Völker von da abzuholen, und zu sehen, wie die allierten protestierende Stände sich inzwischen bezeigen würden; wozu denn nicht wenig beigetragen, dass der Tods Körper des Königs von denen Pferden im Gesichte sehr zutreten und also etwas unkänntlich gewesen, Gestalt denn so gar allerhand Ursachen pro et contra, ob er wahrhaftig Tod oder nicht, in öffentlichen Druck kommen; allein der Ausgang hat die Wahrheit von seinem tödlichen Hintritt mehr als zu viel bezeugt. Der verblichene Leichnam ist nach Schweden übergeführt und zu Stockholm in der Kirche auf dem Riddarholm begraben, auch ihm ein prächtig Grabmal aufgerichter worden...

Nun hatte zwar der hochseligste König schon vormals anno 1627 von denen versammelten Reichsständen erhalten, dass selbige sich der zukünftigen Sukzession halber folgendermaßen erklärt: "Und weil uns das vornehmen unsers Feindes schon längst verkundschaftet, dass er nämlich durch zukünftigen tödlichen Abgang Ihrer Königlichen Majestät nicht wenig Hoffnung und Vertrauen bekommen, und ihrer viel von dem gemeinen Volk den Artikel von der Erbvereinigung, anno 1604 mit denen Reichsständen getroffen, nicht wohl verstehen, so haben wir freiwillig und mit reißem Rat eben deise Erbvereinigung wiederholen, erklären und allen zu frischem Gedächtnis führen wollen. Verpflichten uns derowegen wir samt und sonderlich, so wohl gegenwärtige als abwesende, so da noch leben oder leben möchten, da Ihre Königliche Majestät ohne männliche Leibeserben mit Tode abgingen, dass wir die durchlauchtigste Fräulein Christinam, der Schweden, Gothen und Wenden Prinzessin, für unsere Erbfürstin erkennen, und bei aller Ihrer Königliche Majestäts Rechte nach dem Erbvereinigungsschluss und denen Rechten des Königreichs Schweden, die da unserer getanen Pflicht nicht zuwider, schützen wollen."

Allein, weil sie damals noch nicht einmal das sechste Jahr ihres Alters erfüllt, und demnach zur Regierung noch nicht tüchtig war, so ward die Administration des Reichs, bis die Königin zu ihren mündigen Jahren kommen, denen fünf hohen Reichsämtern: dem Drost Gabriel Gustafsson Oxenstiern; dem Feldherrn Jakob de la Gardie; dem Reichsadmiral Carl Gyllenstiern [sic]; dem Reichskanzler Axel Oxenstiern; und Reichsschatzmeister Gabriel Bengtsson Oxenstiern, dergestalt, dass sie solche mit Zuziehung der Reichsräte führen sollten, aufgetragen — und des verstorbenen Königs hinterlassene Frau Wittwe gänzlich davon ausgeschlossen, ja man hat ihr nicht einmal die Auferziehung der Königin anvertrauen wollen, sondern selbige Prinzessin Katharinen, Königs Gustavi Adolphi Frauen Schwester, Pfalzgraf Johann Casimirs von Zweibrücken Gemahlin, überlassen; welche solche bis an ihr Ende und auf das 1639ste Jahr geführt, da man denn auch nach ihrem Tode die Frau Mutter dennoch wieder übergangen, und andre vornehme Matronen aus denen vornehmsten Familien dazu gezogen worden, denen man sonderlich eingebunden, die junge Königin bei Zeiten daran zu gewöhnen, dass sie sich nicht allzusehr auf Einen allein verlassen, und demselben allzuviel trauen sollte.

Die Ursachen, warum man die Frau Mutter sogar hinan gesetzt, waren, weil sie, der Schweden vorgeben nach, einen großen Widerwillen gegen die schwedische Nation iederzeit gewiesen, und von selbigen durchaus keinen unter ihren Bedienten leiden wollen; auch mit der Kron Dänemark und andern Potentaten Korrespondenz unterhalten, so denen Reichsräten etwas bedenklich vorkam, und hatte man sonderlich zu besorgen, dass sie der jungen Königin dergleichen widrige impressiones von ihren Untertanen beibringen möchte. Wie schwer nun dieses der verwittibten Königin zu Gemüte gangen, ist leicht zu ermessen.

Inzwischen hat sie doch müssen geschehen lassen, was nicht zu ändern stunde, wiewohl mit solchem Verdruss, dass sie endlich gar sich resolvieret, Schweden zu verlassen, und sich nach Dänemark zu begeben, welches sie auch auf eine sonderliche Art ins Werk gerichtet. Denn sie schloß sich etliche Zeit zuvor manchmal nebst etlichen wenigen Kammerfräulein, unterm Vorwand, dass sie einen Fasttag halten wollte auf dem Schlosse zu Gripsholm in ein Zimmer ein, daraus man auf den Schlossgarten kommen konnte. Nachdem sie nun solches eine Weile getrieben, und diejenigen, so man ihr zur Aufwartung zugeordnet, dessen ganz gewohnt waren, und sich keine Gedanken mehr darüber machten, sie hingegen alles unter der Hand zu ihrer Abreise fertig machen lassen, stellte sie abermal eine fünftägige Faste an, und nahm niemanden zu sich, als ein Fräulein von Bülow allein.

Die folgende Nacht stieg sie unvermerkt in den Garten hinunter und begab sich an das Wasser, da denn schon ein Nachen fertig Stund, mit welchem sie sich auf die andre Seite übersetzen ließ, und von dar mit abgewechselten Pferden nach Nyköping eilte, allda sie sich auf ein dänisches Boot setzte, auf welchem sie nach Gotland überfuhr, woselbst sie zwei königliche dänische Kriegsschiffe, so allem Ansehen nach zu dem Ende daselbst warteten fand, und mit selbigen sich nach Dänemark begab.

Allein die Schweden empfanden diese unvermutete Abreise so übel, dass sie nicht allein ihr Leibgedinge einzogen, sondern auch sie aus dem öffentlichen Gebete ließen, und hat sie nach dem sich außer dem Königreich aufgehalten, bis auf die Zeit, da die Königin Christina gekrönt wurde, da sie endlich wieder zurückgekehrt, und die übrige Zeit ihres Lebens in Schweden zugebracht.

Inzwischen lebte ihre Tochter die Königin Christina unter Aufsicht derjenigen Damen, die zu ihrer Auferziehung verordnet waren, und gleichwie sie mit einem ungemeinen Verstande und fähigem ingenio von Gott begabt war, also nahm sie unter Anführung ihres præceptoris Johannis Matthiæ, so hernachmals Bischof zu Strängnäs worden, in allen guten Künsten und Wissenschaften bei jungen Jahren dermaßen zu, dass nicht allein ihre Untertanen, sondern ganz Europa sich darüber verwunderten. Gestalt sie denn in ihrem achtzehnden Jahre schon den Thucydidem und Polybium in ihrer eigenen Sprache gelesen, und über diese so wohl als andre autores, so zu diskurieren gewusst, dass jedermann darüber erstaunt.

Nachdem sie das achtzehnde Jahr ihres Alters erfüllt, gaben die bisherigen Vormünder am 7. Dezember des 1644 Jahres ihre Administration auf und überliessen die Regierung der Königin, welche solche darauf übernahm, und ward zum Andenken dieses actus ein Schaustücke geschlagen, auf welchem auf der einen Seiten die Königin und die fünf hohen Reichsämter mit denen Reichsinsignibus, samt vier Deputierten von denen vier Reichsständen, zu sehen, mit der Beischrift:

"Imperium proles Gustavi maxima magni suscipit, innumeris vivat Christina triumphis."

Auf der andern Seiten ward die kurz vorher wider die Dänen erhaltene Viktorie zur See abgebildet, mit der Unterschrift:

"Augustæ, prendit dum sceptra potentia, lauro cingit sacratum Baltica pugna caput."

English translation (my own):

The great Queen Kristina was born on December 8th, 1626. Her father was the world-famous hero king Gustav Adolf of Sweden; her mother was Maria Eleonora, a daughter of Elector Johannes Sigismund of Brandenburg. As for her physical and mental qualities, there is no doubt that she was more endowed with the latter than the former, for although she had very clear skin, beautiful eyes and teeth, red lips and a small mouth, she was nevertheless quite strong in body, and this was not a little disguised by high hips and a curved back.

Regarding her sense of humour, the author of a little French treatise entitled "Le génie de Christine" (who is believed by some to be Monsieur Chevreau) wrote not inconsiderately that Minerva, Mars, Venus and Mercury ruled together in a certain degree in her. For while one must admit that she was very generous and courageous, and also gifted with an extraordinary understanding and such learning, the likes of which are not only found in great men and women, but in general, one cannot deny, on the other hand, that she always had a very fickle and changeable disposition, of which her whole life, but especially the abandonment of her government, the change of her religion, her favourites, Count Magnus de la Gardie, Marquis Monaldeschi, Bourdelot, and others, can give ample evidence.

It is not necessary to state here what kind of ascendant Venus had over her, since it can be deduced to some extent from what is to be told about her. She lost her lordly father in tender childhood, when, after he had penetrated with his victorious arms into Germany from the Baltic Sea to the Rhine, and even taken control of many places along the said river, he died in his prime in the famous Battle of Lützen, when (as a famous French writer writes not inaccurately of his death) he had sword in his fist, the command on his lips, and the impending victory already in his thoughts, in November 1632. ...

Nevertheless, despite this sad event, the royal Swedish army, under the leadership of Duke Bernhard of Saxe-Weimar, maintained the electoral state and fought a glorious victory against the imperial forces, so that the luck that had accompanied the late King in so many dangerous undertakings did not desert him even in death, but rather wanted to erect an everlasting monument to such a famous hero in the memory of posterity through the great defeat of the enemy army, and it was rightly said of him on the funeral coin:

"Stans, acie pugnans, vivens moriensque triumphat."

These words have almost the same meaning as those that his surviving wife, the widow, wrote with her own hand under his portrait in the following verses:

"Sein Tugend und Ehr, und tapfer unsterblich Tat
Im Leben und Tod mit Triumph gesiegt hat."

His death seemed quite unbelievable to many for a while, and at first people wanted to speculate that he had secretly gone to Sweden to fetch fresh troops from there and to see how the allied Protestant states would behave in the meantime; this was not a little helped by the fact that the King's body had been badly beaten by the horses in the face and was therefore somewhat unrecognisable, and all sorts of reasons for and against whether he was really dead or not were put under public pressure; but the outcome more than amply testified to the truth of his fatal demise. The deceased body was brought to Sweden and buried in Stockholm in the church at Riddarholm, and a magnificent tomb was erected for him...

Now the late King had already received from the assembled Estates of the Realm in 1627 that they made the following declaration regarding the future succession:

"And because the intention of our enemy has long since been made known to us, namely that he will gain no little hope and confidence from the future death of His Royal Majesty, and because many of the common people do not understand the article of the Hereditary Union, which was agreed on with the Estates of the Realm in 1604, we have voluntarily and with great advice repeated this hereditary union, explained it and brought it to everyone's attention. We therefore undertake, all and sundry, both present and absent, who are still alive or who might be alive when Her Royal Majesty died without a male heir, that we recognise the most Serene Lady Kristina, Princess of the Swedes, Goths and Vandals, as our heir apparent, and wish to protect with all of Her Royal Majesty's rights under the hereditary union and the rights of the Kingdom of Sweden, which do not conflict with our duty."

However, because she had not yet reached her sixth year of age and was therefore not yet fit to govern, the administration of the realm was entrusted, until the Queen came of age, to the five high imperial officers: the Grand Steward Gabriel Gustafsson Oxenstierna; the Field Marshal Jakob de la Gardie; the Grand Admiral Carl Gyllenstierna [sic]; the Grand Chancellor Axel Oxenstierna; and the Grand Treasurer Gabriel Bengtsson Oxenstierna, in such a way that they should conduct it with the assistance of the councilmen of the Realm — and the widow of the deceased King was completely excluded from it, indeed, they did not even want to entrust her with the upbringing of the Queen, but left it to Princess Katarina, King Gustav Adolf's lady sister, Count Palatine Johan Kasimir of Zweibrücken's wife, who conducted it until her death and until the year 1639, when even after her death the mother was again passed over and other noble matrons from the most distinguished families were called in, who were specially obliged to accustom the young Queen in time not to rely too much on one person alone or to trust her too much.

The reasons why the mother was even put up were because, according to the Swedes, she had always shown great hostility towards the Swedish nation and did not want to tolerate any of them among her servants; she also maintained correspondence with the Crown of Denmark and other potentates, which seemed somewhat dubious to the councilmen, and there was particular concern that she might give the young Queen such negative impressions of her subjects. It is easy to imagine how difficult this must have been for the widowed Queen.

In the meantime, she had to let what could not be changed happen, albeit with such annoyance that she finally decided to leave Sweden and go to Denmark, which she also set in motion in a special way. For some time before, she and a few of her chambermaids had sometimes locked themselves in a room at Gripsholm Castle, from which they could go out into the castle garden, under the pretext that she wanted to observe a day of fasting. After she had done this for a while, and those who had been assigned to attend to her were quite used to it and no longer thought about it, but she had secretly got everything ready for her departure, she again went on a five-day fast and took no one with her except a Lady von Bülow alone.

The following night she went down into the garden unnoticed and went to the water, where a boat was already ready, with which she was taken across to the other side, and from there she hurried with a change of horses to Nyköping, where she boarded a Danish boat, on which she crossed to Gotland, where she found two royal Danish warships, which were apparently waiting there for the purpose, and with them she went to Denmark.

But the Swedes took this unexpected departure so badly that they not only confiscated her dower estate, but they also struck her from public prayers, and after that she stayed outside the kingdom until the time when Queen Kristina was crowned, when she finally returned and spent the rest of her life in Sweden.

Meanwhile, her daughter Queen Kristina lived under the supervision of the ladies who had been appointed to educate her, and as she was gifted by God with an extraordinary understanding and capable ingenuity, so under the guidance of her preceptor Johannes Matthiæ, who later became Bishop of Strängnäs, she advanced in all the good arts and sciences at a young age to such an extent that not only her subjects, but all of Europe, were astonished. Indeed, by the time she was eighteen she had already read Thucydides and Polybius in their own language and was able to discuss them, as well as other authors, in such a way that everyone was amazed.

After she had reached the age of eighteen, her guardians gave up their administration on December 7, 1644, and left the government to the Queen, who then took it over. In memory of this act, a display piece was struck, on which on one side the Queen and the five high officers of the Realm with the insignia of the Realm, together with four deputies from the four Estates of the Realm, can be seen, with the inscription:

"Imperium proles Gustavi maxima magni suscipit, innumeris vivat Christina triumphis."

On the other side, Victory, which had recently been rescued from the Danes, was depicted at sea, with the inscription:

"Augustæ, prendit dum sceptra potentia, lauro cingit sacratum Baltica pugna caput."


Above: Kristina.


Above: Gustav Adolf and Maria Eleonora.


Above: Christian Stieff.